Tarifverhandllungen der Metall- und Elektroindustrie : Ringen um Geld und mehr Zeit für Bildung

Die Verhandlungen der Tarifpartner der Metall- und Elektroindustrie gehen heute in die entscheidende Phase. Es geht um mehr Geld, Alters- und Bildungsteilzeit.

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Was im Südwesten ausgehandelt wird, gilt auch für die übrigen Metall-Bezirke.
Was im Südwesten ausgehandelt wird, gilt auch für die übrigen Metall-Bezirke.Foto: dpa

Einigung oder Streik? In der kommenden Nacht wird diese Frage beantwortet. Denn im baden-württembergischen Böblingen kommen am Nachmittag die Tarifpartner der Metall- und Elektroindustrie zur vierten und entscheidenden Verhandlungsrunde zusammen. Die Materie ist komplex, die Nacht wird lang. Dabei sind bis Ende der vergangenen Woche entscheidende Vorarbeiten in Expertenkommissionen geleistet worden, sodass ein Kompromiss naheliegt – zumal weder Arbeitgeber noch IG Metall den Konflikt in die Länge ziehen wollen.

Die Gewerkschaft fordert Alters- und Bildungsteilzeit

Die IG Metall fordert für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten 5,5 Prozent mehr Geld, eine Fortführung der Altersteilzeitregelung sowie die Einführung einer Bildungsteilzeit. Das Angebot der Arbeitgeber sieht eine Lohnerhöhung um 2,2 Prozent vor sowie einen Anspruch auf Altersteilzeit für besonders belastete Arbeitnehmer. Dieser Anspruch soll für maximal zwei Prozent einer Belegschaft gelten, bislang lag die Obergrenze bei vier Prozent. Hier liegt denn auch einer der Knackpunkte für die bevorstehende Nacht, die IG Metall will keineswegs eine Verschlechterung hinnehmen. Und die Arbeitgeber werden sich vermutlich wieder auf maximal vier Prozent Altersteilzeitler einlassen – wenn es bei den anderen beiden Themen Bewegung der Gewerkschaft gibt.

Über einen Fonds soll bei Bedarf Geld zur Verfügung stehen

Für die Arbeitgeber ist die Bildungsteilzeit mit Abstand die größte Kröte. Einen Anspruch auf bezahlte Freistellung für Weiterbildung, womöglich auch noch flankiert durch eine Ausweitung der Mitbestimmung in Weiterbildungsangelegenheiten, werden sie nicht mitmachen. Das Idealmodell der IG Metall sieht einen großen Topf vor, in dem über die Jahre Teile von Tariferhöhungen eingezahlt werden, und der bei Bedarf für diverse Dinge verwendet werden kann: Weiterbildung, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder ein vorzeitiges Ausscheiden im Alter. Das wird es jetzt nicht geben.

In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben sich beide Seiten angenähert

In Arbeitsgruppen beziehungsweise Expertenkommissionen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hatten sich beide Seiten in den vergangenen zehn Tagen angenähert. Im Südwesten kann man auf einen Qualifizierungstarif aufsetzen, den es hier bereits seit Jahren gibt. Und in NRW hat man nun eine Struktur ausgetüftelt, die in einen Tarifvertrag für die restliche Republik, also bis auf Baden-Württemberg, einfließen soll. Ergebnis: Es gibt künftig mehr Geld und Zeit für Bildung. Wie das finanziert wird, ist Gegenstand der letzten Nacht. Tatsächlich sind die Lohnprozente relativ leicht zu klären: Die IG Metall bekommt eine ordentliche Erhöhung um die vier Prozent, wenn der neue Vertrag lange genug läuft. Wenn das komplette Tarifpaket geschnürt ist, kommen am Ende die Prozente dazu. Vermutlich am frühen Dienstagmorgen. Alfons Frese

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