Wirtschaft : Tarifverhandlungen in der Metallindustrie kommen voran

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Die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie haben in Baden-Württemberg eine erste Einigung erzielt. Arbeitgeber und IG Metall verständigten sich am späten Nachmittag in Fellbach bei Stuttgart auf den Einstieg in einen gemeinsamen Entgeltrahmentarifvertrag (ERA) für Angestellte und Arbeiter. Neben einem Zeitplan, der in ähnlicher Form bereits am vergangenen Freitag bei Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen vereinbart worden war, legten beide Seiten auch die Finanzierung von ERA fest. Strittig bleibt weiter das Gesamtvolumen der Lohnerhöhung. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die Arbeitgeber bieten jeweils zwei Prozent für dieses und das nächste Jahr. Die Verhandlungen werden am Mittwoch und Donnerstag in Ludwigsburg fortgesetzt. IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber deutete erstmals ein mögliches Abrücken von der Forderung der Gewerkschaft an. "Forderung und Abschluss sind nicht identisch", sagte Huber. "Aber unsere Positionen stehen sich sehr kontrovers gegenüber."

Der Südwestmetall-Vorsitzende Otmar Zwiebelhofer lobte die "vertrauensvolle Atmosphäre" der Gespräche, die eine Einigung bei ERA ermöglicht hätte. Auch er zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass ein Durchbruch beim Gesamtvolumen noch in dieser Woche erreicht werden könne. Der ERA-Tarifvertrag soll bis zum Ende des Jahres unterschriftsreif sein. Eingeführt wird das Abkommen zur Angleichung der Einkommen von Angestellten und Arbeitern mit gleicher Qualifikation von 2005 an. Bis dahin müssen aus den jährlichen Tariferhöhungen Beträge abgezweigt werden, die zusammen genommen die ERA-Mehrkosten in Höhe von 2,79 Prozent der Lohnsumme ausgleichen. Dennoch würde die vereinbarte Lohnerhöhung in diesem Jahr noch voll auf dem Konto der Beschäftigten landen.

Unterdessen äußerte sich der Arbeitgeberverband Gesamtmetall skeptisch, dass es in dieser Woche eine Einigung geben könne. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, der vor der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) abschließen wolle, sei von Hardlinern in den eigenen Reihen zurückgepfiffen worden. Die IG Metall plane für den kommenden Donnerstag einen Großkampftag, bei dem die deutsche Autoindustrie lahmgelegt werden solle. Für den Freitag sei eine Vorstandssitzung der Gewerkschaft anberaumt, vor der es kaum einen Abschluss geben werde. IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich wies diese Darstellung zurück. Die Chancen auf einen Abschluss in dieser Woche lägen unverändert bei 50:50. "Wir wollen einen Lösung am Verhandlungstisch", bekräftigte Eilrich. Bis zum Wochenende werde man wissen, "ob es geht oder nicht".

Bislang galt folgendes Szenario als wahrscheinlich: Am Montag einigen sich die Tarifparteien auf ERA, mit dem die Nachteile von Arbeitern gegenüber Angestellten abgebaut werden. Ab Mittwoch wird dann über Lohnprozente und die Laufzeit des Vertrags verhandelt. Die Chancen stünden dann gut, in der Metallindustrie doch noch vor der Chemie einen Abschluss zu kriegen. Die Tarifparteien in der Chemie verhandeln am 18. und 19. April und wollen erklärtermaßen dann auch abschließen.

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