Tausendundein DEAL (82) : Küssen verboten

Tewe Pannier

Tewe Pannier,

ein Geschäftsmann aus Berlin, erzählt von Arabien.

Wenn der Ramadan – wie in der vorigen Woche – im dritten Jahr über den Christen in Arabien hereinbricht, dann sind ihm seine Besonderheiten schon richtig vertraut. Dass im Fastenmonat zum Beispiel tagsüber die wenigen Restaurants, die überhaupt Essen servieren, hinter Vorhängen versteckt sind. Dass die Geschäftswelt wie in Watte gepackt ist: Alle sind rücksichtsvoller, um die schlechte Hungerlaune der Fastenden nicht zu verstärken. Dass viele Büros jetzt vier Wochen lang um halb drei Uhr nachmittags schließen, damit sich die muslimischen Mitarbeiter auf das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang vorbereiten können. Dass die sonst verstopften Straßen staufrei sind, weil viele erst gar nicht zur Arbeit fahren.

Weil aber seit dem vorigen Jahr hunderttausend Menschen mehr nach Dubai eingewandert sind, hat die Regierung diesmal eine Kampagne gestartet, um Peinlichkeiten zu verhindern. In Radiospots und Zeitungsartikeln bereitet sie Neu-Dubaier auf die heilige Zeit vor. „Vermeiden Sie PDA“, heißt es da. „PDA“ steht für „Public Display of Affection“, die „öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung“: Küssen und Händchenhalten verboten! Wen die Polizei bei PDA erwischt, der kriegt einen Monat Gefängnis und 1000 Dirham Geldstrafe. Wer Frauen gar belästigt, wird mit bis zu einem Jahr und 10 000 Dirham bestraft. Besonders während der fünf Gebetszeiten pro Tag darf laute Musik nicht aus dem Auto auf die Straße dringen – der Muezzin vom Minarett soll die akustische Hoheit behalten. Nackte Haut muss bedeckt sein, besonders bei den Damen. Und, ganz klar, Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit sind tagsüber streng verboten: Wer bei 42 Grad im Schatten einen Schluck aus der Wasserflasche wagt, riskiert 2000 Dirham Strafe und einen Monat Knast.

Der Ramadan soll in diesem Jahr auch endlich dafür sorgen, dass Rauchen in den Einkaufscentern ganz verboten bleibt. Wo sich die Menschen in ihrer Freizeit am liebsten treffen, tauchen zwei Tage nach Beginn des heiligen Monats plötzlich an allen Glastüren große Rauchverbotsschilder auf, die Aschenbecher werden für immer abmontiert. Schon zweimal in den vergangenen Jahren hatte die Regierung zu normalen Zeiten versucht, das durchzusetzen – vergeblich: Die Mall-Raucher hatten es einfach ignoriert. Diesmal soll es klappen, mit Allahs Anschubhilfe.

Der Autor (46) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

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