Wirtschaft : Tchibo kauft Nivea-Konzern Beiersdorf

Ein Konsortium unter Beteiligung der Stadt Hamburg erwirbt für 4,4 Milliarden Euro Aktienpaket von der Allianz

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Berlin/München (msh/nad). Der monatelange Poker um die Zukunft des Kosmetikkonzerns Beiersdorf ist beendet: Der Versicherungskonzern Allianz verkauft 40 Prozent seiner Anteile an ein Konsortium unter Führung der Tchibo Holding. Der Kaufpreis beträgt 4,4 Milliarden Euro, teilten die Unternehmen mit. Tchibo hält nach der Transaktion 49,9 Prozent der Anteile und ist künftig der stärkste Aktionär des NiveaProduzenten. An der Übernahme beteiligt ist auch die Stadt Hamburg, die zehn Prozent der Aktien übernimmt.

Fast zwei Jahre lang hatte es Spekulationen um die Übernahme des Kosmetikkonzerns gegeben. Besonderes Interesse an dem Beiersdorf-Paket der Allianz zeigte bis zuletzt der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Tchibo hielt vor dem Kauf bereits 30 Prozent, konnte den Zukauf weiterer Anteile aber nicht aus eigener Kraft finanzieren. Von den 40 Prozent der Allianz übernimmt Tchibo nur 19,6 Prozent, Beiersdorf nimmt im Rahmen einen Rückkaufprogramms 7,4 Prozent seiner eigenen Aktien und der Beiersdorf-Pensionsfonds drei Prozent. Weitere zehn Prozent werden bei der Hamburger Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung (HGV) geparkt.

Der Hamburger Senat hatte bei einem Verkauf an Procter & Gamble eine Zerschlagung von Beiersdorf und den Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet. Das Geschäft kostet die Stadt rund 1,1 Milliarden Euro und soll über einen Kredit finanziert werden. Eine Belastung für den Hamburger Haushalt in den Jahren 2003 und 2004 sei nicht zu befürchten, sagte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust. Die Stadt wolle Teile ihrer Aktien an andere Investoren weiterreichen.

Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner begründete den Zuschlag an Tchibo damit, dass der Kaffeeröster „schlichtweg das attraktivere Angebot gemacht“ habe. Mit der Tchibo-Lösung habe die Allianz einen guten Preis für ihre Beiersdorf-Beteiligung erzielen können und sehe die Möglichkeit, die Transaktion schnell abwickeln zu können. Achleitner zufolge hat das milliardenschwere Einzelinvestment nicht mehr in die Strategie der Allianz gepasst. In den vergangenen Jahren stieß der Allfinanzkonzern bereits Beteiligungen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro ab, darunter Anteile an BMW, BASF und Eon. Die Allianz-Aktie schloss an der Börse nahezu unverändert bei 82,35 Euro.

Nach Angaben von Tchibo-Chef Dieter Ammer soll die Struktur von Beiersdorf erhalten bleiben, das aus den Geschäftsbereichen Kosmetik (Nivea), Klebemittel (Tesa) und Wundpflege (Hansaplast) besteht. „Alle drei Sparten sind erfolgreich und sollen im Konzern bleiben“, sagte Ammer in einer Telefonkonferenz. Beiersdorf machte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz 4,7 Milliarden Euro einen Gewinn von 290 Millionen Euro. Ein Firmensprecher begrüßte die Übernahme durch Tchibo. „Vom Vorstandschef bis zum Azubi – alle freuen sich.“ Größere Einflussnahme im operativen Geschäft erwartet der Sprecher nicht. Tchibo-Chef Ammer war kürzlich in den Aufsichtsrat von Beiersdorf eingezogen.

Analysten halten den Kaufpreis von 130 Euro pro Aktie für angemessen. Er entspreche einem Aufschlag von 20 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der letzten Monate. „Beiersdorf kann auch künftig aus eigener Kraft wachsen, weil das Unternehmen hohe Gewinne macht“, sagte Analystin Petra Meyer vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die Übernahme sei für Beiersdorf positiv, da endlich wieder Ruhe ins Unternehmen einkehrt. Die Beiersdorf-Aktie reagierte mit einem Kursrutsch auf die Nachricht. Bis zum späten Nachmittag sank der Kurs um 7,19 Prozent auf 100 Euro. Händler begründeteten den Kurssturz mit dem Ende der Übernahmespekulationen, die in den vergangenen Monaten für Kursfantasie gesorgt hatten.

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