Technologie : Blu-ray setzt sich durch

18.02.2008 00:00 Uhr
blu ray Foto: ddp
Sieger über das Konkurrenz-Format HD-DVD: Blu Ray. - Foto: ddp

Der DVD-Nachfolgestreit steht kurz vor der Entscheidung. Fast eine Million HD-DVD-Geräte sind weltweit bereits verkauft worden - nun droht das Ende.

HamburgHunderttausende Verbraucher, die sich für mehrere hundert Euro oder Dollar ein Abspielgerät des neuen Videoformats HD-DVD gekauft haben, müssen sich dieser Tage sehr ärgern. Die Unterstützung für den Standard schwindet gerade rapide, der wichtigste Hersteller Toshiba soll laut Medienberichten kurz vor der Einstellung des Projekts stehen. Vieles spricht dafür, dass bald der letzte Film auf HD-DVD erscheinen wird und das Konkurrenzformat Blu-ray zum Nachfolger der DVD für das Zeitalter von Video mit hoher Auflösung wird.

Die HD-DVD-Geräte wird man dann noch als Denkmal für den Starrsinn der Industrie behalten können, die ihren Technologie- Streit unbedingt auf dem Rücken der Verbraucher austragen musste.

Denn der schöne Satz, der Kunde möge den Formatkrieg entscheiden, setzte auch voraus, dass irgendjemand auf Investitionen in den Verlierer- Standard sitzenbleiben müsste. Doch die Hoffnung, den milliardenschweren Videomarkt der Zukunft zu erobern, ließ beide Industrielager stur nach vorne preschen. Stolz verkündete die HD-DVD- Gruppe noch im vergangenen November, weltweit seien 750 000 Abspielgeräte des Formats verkauft worden.

In den vergangenen Jahren ermunterten beiden Seiten die Verbraucher durch Siegesrhetorik und Preisabschläge zum Kauf ihrer Geräte. Branchenexperten und Journalisten prophezeiten, dass der Formatstreit noch länger in einer Patt-Situation feststecken würde – zu ausgewogen schien das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Lagern zu sein. Elektronikkonzerne wie Sony, Philips oder Panasonic stützten das Blu-ray-Format, Microsoft HD-DVD. Hollywood war von Anfang an gespalten – was auch an großzügigen „Marketing-Subventionen“ der Industrielager liegen soll, die pro Studio angeblich mehr als hundert Millionen Dollar erreichten.

Doch auf einmal passierte alles rasend schnell – und die Entscheidung fiel im wichtigsten Markt USA. Anfang Januar gab das Hollywood-Studio Warner Bros., die Nummer eins in der Videobranche, seine zweigleisige Strategie auf und entschied sich für das Blu-ray-Format. Vor wenigen Tagen nahmen dann die größte US-Elektronikkette Best Buy und der Online-Videoverleiher Netflix die HD-DVD aus dem Sortiment. Die jüngste Ankündigung des Einzelhandelskonzerns Wal- Mart, ebenfalls die HD-DVD aus den Regalen zu verbannen, könnte nun der Todesstoß für das Format sein. Wal-Mart, der größte Handelskonzern der Welt, ist die Nummer eins beim Absatz von CDs und DVDs in den USA. Niemand kann dort Videos an den 4000 Märkten des Konzerns vorbei verkaufen.

Das abrupte Ende des Formatkriegs würde mit der Erkenntnis der Unterhaltungs- und Elektronik-Industrie zusammenfallen, dass sie es sich nicht mehr leisten kann, noch weiter Zeit zu verschwenden. Während die beiden HD-Videoformate einander bekämpften und dabei noch immer eher marginale Marktanteile gewannen, tauchte am Horizont bereits neue Konkurrenz auf – durch die zunehmenden Internet-Downloads. „Man sagt, Blu-ray hat den Krieg gewonnen, aber wen interessiert das noch?“, sagte zum Beispiel der Chef des Festplatten-Spezialisten Seagate, Bill Watkins, erst vor wenigen Wochen. Tatsächlich gehe es heute um die Wahl zwischen dem herkömmlichen Vertrieb auf Silberscheiben oder über das Internet, argumentierte er. „Und da haben Blu-ray und HD-DVD beide verloren.“ dpa

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