Wirtschaft : Telefonfirma präsentiert glänzende Halbjahreszahlen mit verdoppeltem Umsatz

Die Mobilcom AG will ihre Internetsparte im Herbst an die Börse bringen. Der Preis für eine Aktie stehe aber noch nicht fest, sagte Mobilcom-Vorstandschef Gerhard Schmid am Dienstag in Hamburg. Zugleich legte Schmid glänzende Halbjahreszahlen für die Telefonfirma vor, die ihren Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 950 Mill. DM verdoppelte. Der Gewinn vor Steuern stieg von 53 auf 79 Mill. DM. Neben dem Internet konnte Mobilcom im ersten Halbjahr auch im Mobilfunk und Festnetz deutliche Zuwächse verzeichnen.

Mobilcom gewann seit Jahresbeginn 250 000 zusätzliche Kunden. Der Preisverfall in der Festnetz-Telefonie wurde mit Geschäften in Mobilfunk und Internet aufgefangen. Schmid kündigte weiter ein aggressives Wachstum an, ging aber nicht mehr von dramatischen Preissenkungen im Telefongeschäft aus. Telefonieren werde jedoch künftig noch billiger.

"Der Preiskrieg geht weiter, aber nicht mehr so dramatisch", sagte Schmid. Die Telefonkosten seien heute 30 bis 50 Prozent geringer als im Vorjahr. Mobilcom setze in Zukunft vor allem auf neue Festkunden und Vertragskunden im Mobilfunk. "Call-by-Call"- Kunden seien zu "flüchtig".

Derweil gab die Stuttgarter Debitel bekannt, sie werde ab Mitte August ihre Call-by-Call-Dienste einstellen. Bei Call-by-Call entscheidet der Kunde mit einer zusätzlichen Vorwahl vor jedem Gespräch, über welchen Anbieter er telefoniert, ohne einen festen Vertrag (Preselection) abzuschließen. Bislang bietet Debitel Gespräche unter der Vorwahlnummer 01015 an. Für Debitel-Kunden soll nach Firmenangaben vom Dienstag ein spezielles Call-by-Call aber weiterhin angeboten werden.

Das Unternehmen berichtete, damit reagiere es auf den dramatischen Preisverfall der vergangenen Monate im Festnetzbereich und den daraus resultierenden minimalen Margen. Ohnehin habe Call-by-Call lediglich einen geringen Teil des Geschäfts eingenommen. Dagegen konnte Debitel den Angaben zufolge im Bereich Preselection die Anzahl ihrer Kunden im ersten Halbjahr 1999 mehr als verdoppeln. Erst kürzlich hatte die schweizerische Swisscom die Mehrheit an der deutschen Telefongesellschaft erworben, deren Aktien im Amtlichen Handel der Deutschen Börse notiert werden.

Die Aktien der Telefon-Unternehmen an der Börse tendierten zur Kasse uneinheitlich. Die Anteilsscheine von Debitel verteuerten sich um 0,05 Euro auf 31,55 Euro. Drillisch-Titel stiegen um 0,2 auf 10,80 Euro. Dagegen ermäßigte sich das Telegate-Papier um einen auf 28 Euro, während die Teldafax-Aktie sogar um 3,60 auf 21,90 Euro abstürzte. Die Mobilcom-Aktie notierte gegenüber dem Vortag unverändert mit 71 Euro.

Wie Mobilcom berichtete, habe sich das Unternehmen innerhalb weniger Monate zum drittgrößten Anbieter von Internet-Diensten in Deutschland entwickelt. Es hatte im Juli eigenen Angaben zufolge rund 436 000 regelmäßige Benutzer.

Die neue Internet-Firma geht aus einer Umfirmierung des Mobilcom-Online-Suchdienstes Dino hervor. Der Name des Unternehmens werde in der kommenden Woche bekannt gegeben werden, hieß es. Die Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung von 20 bis 25 Prozent. Sie sollen Ende Oktober oder Anfang November im Neuen Markt platziert werden, sagte Schmid. Mobilcom-Aktionäre sollen bei der Zeichnung der Aktien bevorzugt werden und erhalten zudem einen Rabatt.

Das Internet ist bei Mobilcom der größte Wachstumsbereich: Seit Anfang des Jahres wurde die Internet-Nutzung auf 216 Mill. Minuten monatlich vervierfacht. "Täglich gewinnen wir 1000 bis 2000 Kunden dazu", sagte Schmid.

Derzeit können sich über Mobilcom bundesweit 20 000 Nutzer gleichzeitig im Netz einloggen. Bis September sollen die Kapazitäten auf 60 000 ausgeweitet werden. Somit könnte der Kundenstamm weiter auf 1,2 Millionen Kunden ausgebaut werden. Die neue Internet-Firma umfasst ausschließlich die inhaltlichen Angebote der Mobilcom im Internet. Der Internetzugang, Netz und Verkehr bleiben bei Mobilcom.

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