Wirtschaft : Telekom-Analysten uneins

DÜSSELDORF/FRANKFURT (nac/HB).Anleger, die sich für das entstehende Gemeinschaftsunternehmen aus Deutscher Telekom und Telecom Italia (TI) interessieren, sollten den Einstieg über den Kauf von TI-Aktien wählen.Das rät Michael Schatzschneider, Analyst bei der BHF-Bank.Der Grund: Das geplante Umtauschverhältnis - einen Titel der neuen Gesellschaft soll es für eine T-Aktie oder drei TI-Aktien oder 5,61 TI-Vorzugsaktien geben - gilt als ein günstiges Angebot für die TI-Aktionäre.Anteilseigner der Deutschen Telekom hingegen kommen dabei nach Meinung von Beobachtern weniger gut weg."Die Telekom-Aktionäre werden über den Tisch gezogen", war aus Analystenkreisen zu hören."Sommer opfert ihr Interesse seinen Fusionsideen." Die Erfolgsaussichten des neuen Telefonriesen werden von den Telekomspezialisten der Banken höchst unterschiedlich beurteilt."Ich habe den Eindruck, der Deal wurde mit der heißen Nadel gestrickt", sagt Schatzschneider."Ohne das Angebot des Konkurrenten Olivetti wäre er wahrscheinlich gar nicht oder erst viel später zustande gekommen." Die versprochenen Einspareffekte könne er noch nicht erkennen.Auch sei ungeklärt, was aus der Allianz "Global One" werde, an der auch die France Télécom beteiligt ist.Die Franzosen hatten auf die Pläne für die deutsch-italienische Unternehmens-Ehe recht verschnupft reagiert.

Thilo Kusch von der Dresdner Kleinwort Benson sieht die geplante Fusion "verhalten positiv." Kernfrage sei, ob der Umbau der TI tatsächlich zügig gelingen werde.Frauke von dem Bussche, Analystin bei der Berenberg Bank, ist gespannt auf weitere Details der Zusammenarbeit.Zum Beispiel, wie die Telekom ihre bevorzugten Techniken ISDN und ASDL in Italien einzuführen plane.ASDL ermöglicht einen schnellen Internet-Zugang über die normale Telefonleitung.Die Deutsche Telekom könne hingegen von der Mobilfunk-Erfahrung der Italiener profitieren.

Kursphantasie räumen die meisten Branchenkenner dem Konzern ein, falls es dem Management gelingt, die internationale Ausrichtung zu verstärken."Grundsätzlich ist die Ausgangslage gut", sagt Frank Wellendorf von WestLB Panmure.Sollte ein Engagement bei der britischen Cable & Wireless zustandekommen, sieht der Banker sogar langfristig strategische Perspektiven.

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