Wirtschaft : Telekom: Britische Investoren bieten für Kabelfernsehen

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Für das Kabelfernsehgeschäft der Deutschen Telekom ist am Wochenende ein neuer Interessent aufgetaucht. Die Londoner Finanzmakler Compere Associates wollen mit einem Bankenkonsortium für sechs Kabel-Regionalgesellschaften der Telekom bieten. Über diese Gesellschaften verhandelt die Telekom allerdings seit Februar exklusiv mit einem Konsortium des US-Medienkonzerns Liberty und des Londoner Finanzmaklers Gary Klesch. "Falls die Verhandlungen mit Liberty scheitern, stehen wir mit einem besseren Angebot an die Telekom bereit", sagte Compere-Gründer Phil Mochan dem Handelsblatt. Welche Banken das Compere-Angebot finanzieren und wie viel Compere der Telekom bieten will, wollte er jedoch nicht sagen.

Die Telekom verhandelt seit zwei Jahren auf Druck der EU-Kartellbehörden über den Verkauf ihres Kabelsnetzes. Im vergangenen Jahr erwarb der US-Investor Richard Callahan 65 Prozent an der Regionalgesellschaft Nordrhein-Westfalen (NRW). Ein Konsortium um Klesch und den britischen Kabelnetzbetreiber NTL kaufte 55 Prozent der Regionalgesellschaft Hessen. Die Telekom nahm dafür drei Milliarden Euro ein. Seit einem Jahr verhandelt die Telekom außerdem mit Callahan um die Übernahme von 65 Prozent an der Region Baden-Württemberg. Daraus und aus dem Verkauf von 55 Prozent der übrigen Gesellschaften an Liberty will die Telekom in diesem Jahr drei bis fünf Milliarden Euro einnehmen.

Hintergrund der Compere-Offerte quasi nach Ladenschluss ist offenbar ein Streit zwischen Gary Klesch und seinen bisher engsten Mitarbeitern Tom Crema und John Moreland-Lynn: Beide wechselten vor wenigen Wochen zu Mochans Compere. Gegenüber dem Handelsblatt kritisierten sie das Konzept von Liberty: Das Unternehmen von John Malone wolle das Kabel lediglich digitalisieren, um möglichst viele Spielfilme seiner Fernsehrechte-Beteiligungen zu vermarkten. Compere habe Investoren gefunden, die bereit seien, acht bis zehn Milliarden Euro in den breitbandigen Ausbau des Kabels auch für Internet- und Telefondienste zu investieren. Außerdem hält Mochan einen Groß-Einstieg von Liberty kartellrechtlich für problematisch, weil Liberty dann wegen der Beteiligungen an UPC und Telewest Europas größter Kabelnetzbetreiber würde.

Kartellprobleme sieht man bei Liberty jedoch nicht. Ein mit den Verhandlungen Vertrauter sagte dem Handelsblatt, dass Callahan mit NRW und Baden-Württemberg größere Anteile des Kabels besitzen werde als Liberty. Außerdem habe Liberty erreicht, dass sich die Telekom nach und nach ganz aus dem Kabel zurückziehen werde. Dies stärke den Wettbewerb.

Übereinstimmend hieß es im Umfeld von Liberty und der Deutschen Telekom, die Verhandlungen seien auf einem guten Weg. Sie würden sich allerdings bis August oder September hinziehen. Ursprünglich geplant war ein Abschluss bereits Ende Juni.

Telekom vor der Hauptversammlung

Dass sich der Verkauf von Teilen des Kabelnetzes immer länger hinzieht, wird eines der Themen auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom am morgigen Dienstag in Köln sein. Die Telekom braucht diese Einnahmen, um ihren Schuldenberg von annähernd 60 Milliarden Euro zu reduzieren. Für das Aktionärstreffen sind zahlreiche Gegenanträge gestellt worden, die vor allem verlangen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Mehrere Kleinaktionäre, die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) begründeten ihre Gegenanträge unter anderem mit dem seit Jahresfrist halbierten Aktienkurs, dem als zu teuer empfundenen Kauf des amerikanischen Mobilfunkanbieters Voicestream und teuren Fehlern bei der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen. Beantragt wird zudem eine Sonderprüfung der Immobilienbewertung des Konzerns.

Wegen der Stimmrechtsmehrheit des Bundes bei der Telekom kann der deutsche Staat alle Gegenanträge ablehnen und die Entlastung der Gremien durchsetzen. Deshalb forderte die DSW den Bund auf, sich bei der Abstimmung über die geforderte Sonderprüfung des Immobilienbestandes zu enthalten. Der Bund solle der "uneingeschränkten Aufklärung" der im Februar erfolgten Abwertung des Immobilienbestandes um rund zwei Milliarden Euro vor Steuern nicht entgegenstehen. Die Sonderprüfung soll untersuchen, ob die Immobilienbewertung wie vom Telekom-Vorstand behauptet seit der Umwandlung in die Telekom AG im Jahr 1995 rechtmäßig war.

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