Wirtschaft : Telekom: Einkaufen muss noch gelernt werden

Corinna Visser

Wieder einmal hat sich Telekom-Chef Ron Sommer als erfolgreicher Aktienverkäufer gezeigt. Aus 18 Ländern dieser Welt gingen Bestellungen für 700 Millionen Papiere ein, 230 Millionen Aktien standen im Angebot. Die Emission war zwar 3,5-fach überzeichnet, doch überwältigend war das Interesse trotzdem nicht. Überraschend ist die große Nachfrage institutioneller Anleger - Fonds, Versicherungen und Banken aus aller Welt. Denn die Telekom hat ihr oft gegebenes Versprechen, durch internationale Akquisitionen zu einem Global Player aufzusteigen, noch immer nicht eingelöst. Der Umsatzanteil, den die Telekom im Ausland erwirtschaftet, erreicht gerade einmal acht Prozent. Mehr noch: Dem deutschen Ex-Monopolisten stehen schwierige Zeiten bevor. Der Erwerb der Mobilfunklizenzen der dritten Generation (UMTS) und der Aufbau der entsprechenden Netze wird Milliarden verschlingen und erst in ein paar Jahren für Einnahmen sorgen. Ob UMTS überhaupt ein Erfolg wird, darüber streiten die Experten. Hinzu kommt, dass der harte Wettbewerb auf dem deutschen Heimatmarkt bei der Telekom ebenfalls auf Umsatz und Gewinnmargen drückt.

Mit dem ersten Verkauf von T-Aktien aus dem Eigentum des Bundes schreitet die Privatisierung der Telekom wie gewünscht ein weiteres Stück voran. Der schrittweise Ausstieg des Bundes erleichtert die Internationalisierung der Telekom. Immerhin war der hohe Staatsanteil einer der Gründe, warum die angestrebte Fusion mit Telecom Italia scheiterte. Doch zugleich wächst die Gefahr, dass die Telekom selbst zum Übernahmekandidaten wird. Der Stratege Ron Sommer muss bald zeigen, dass er nicht nur Aktien verkaufen, sondern auch klug Unternehmen und Geschäft einkaufen kann.

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