Wirtschaft : Telekom kündigt Preissturz für 1999 an

BERLIN (vis).Die Telekom hat kräftige Preissenkungen angekündigt.Sie will damit verhindern, daß ihre Wettbewerber ihr weitere Marktanteile abjagen.Nach neun Monaten liberalisiertem Telefonmarkt wird bereits jedes vierte Ferngespräch in Deutschland über eine private Telefongesellschaft geführt.Das wirkt sich auch erstmals auf die Geschäftsentwicklung der Telekom aus.Der Umsatz stagnierte im dritten Quartal 1998 bei 16,8 Mrd.DM

Die Deutsche Telekom AG legte am Mittwoch in Bonn ihren Zwischenbericht vor.In den ersten neun Monaten diesen Jahres steigerte die Telekom ihren Umsatz um 3,6 Prozent auf 51,4 Mrd.DM und den Überschuß um 22 Prozent auf drei Mrd.DM.Im dritten Quartal 1998 konnte sie den Konzernüberschuß deutlich um 31 Prozent auf 1,05 Mrd.DM steigern.Der Ex-Monopolist habe aber Marktanteile bei den Ferngesprächen an die privaten Konkurrenten verloren.Daher sei der Umsatz im dritten Quartal nur leicht um 1,6 Prozent auf 17,03 Mrd.DM gestiegen.

Allerdings waren darin auch die Telefongespräche von Konkurrenten enthalten, die über die monatliche Telekomrechnung mitabgerechnet werden.Rechnet man diesen Betrag heraus, lag der Quartalsumsatz mit 16,76 Mrd.DM auf dem Niveau des Vorjahres.Der Verlust der Marktanteile sei "eine direkte Folge der asymmetrischen Regulierungsmaßnahmen und der daraus resultierenden einseitigen Bevorzugung der Wettbewerber", heißt es im Zwischenbericht.Gemeint ist damit nicht nur, daß sich die Telekom ihre Tarife vorab von der Regulierungsbehörde genehmigen lassen muß, sondern vor allem der Preis, den die Telekom von ihren Wettbewerbern für die Durchleitung ihrer Gespräche verlangen darf."Wir müssen unser Netz unter den tatsächlichen Kosten zur Verfügung stellen", sagte Telekomsprecher Stephan Althoff."Die Angebote der Konkurrenz können nur so günstig sein, weil sie unsere Leistung unter Preis einkaufen."

Jetzt will auch die Telekom günstiger werden - wieviel, wird offiziell nicht gesagt.Durchgesickert ist aber, daß es vom ersten Quartal 1999 an nur noch einen Inlands-Ferngesprächspreis von 0,24 DM pro Minute tagsüber und 0,12 DM pro Minute abends geben wird; eine Preissenkung um mehr als die Hälfte.Die billigsten Wettbewerber liegen zur Zeit bei 0,19 DM und 0,09 DM pro Minute.Die Tarife sollen zunächst aber nur ISDN-Kunden angeboten werden.

Telekomsprecher Althoff wollte die Angaben nicht kommentieren."Aber es geht in die richtige Richtung, die wir auch intern diskutieren", sagte er dem Tagesspiegel.In den nächsten Tagen werde sich das Unternehmen mit den neuen Tarifentwürfen an die Regulierungsbehörde wenden."Es wird eine aggressive Preissenkung mit deutlich über 20 Prozent geben." Darüber hinaus werde man das Tarifsystem vereinfachen und Entfernungs- und Zeitzonen zusammenlegen."Wenn die Regulierungsbehörde zustimmt, dann wollen wir die Preissenkungen so schnell wie möglich umsetzen und zwar schon im ersten Quartal 1999", kündigte Althoff an.Telekom-Aktionäre werden diesen Schritt sicher nicht so positiv aufnehmen, wie die Telekomkunden.Die Preissenkungen dürften auch den Umsatz der Telekom schmälern.Der vorgelegte Zwischenbericht beruhigte die Anleger jedoch zunächst, so daß Telekom in Frankfurt (Main) zur Kasse zehn Pfennig auf 46,20 DM zulegte.Die Konkurrenten mußten dagegen Verluste hinnehmen.Mannesmann, Mutter der Telefongesellschaft Arcor, fiel um drei DM auf 159,90 DM, die Otelo-Gesellschafter RWE und Veba verloren eine beziehungsweise drei DM.Mobilcom gab 29 auf 481 DM, Teldafax 5,50 DM auf 62,50 DM nach.

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