Telekom : Obermann in Not

Telekom-Chef René Obermann gerät zunehmend unter Druck: Die Kunden laufen ihm zu Hundertausenden weg und Verdi droht dem Konzern mit dem größten Streik seit seiner Privatisierung. Am Nachmittag verkündet Verdi das Ergebnis der Urabstimmung.

Bonn - Die Deutsche Telekom rüstet sich wegen des umstrittenen Stellenumbaus für den größten Arbeitskampf seit ihrer Privatisierung vor zwölf Jahren. "Wir haben diesen Streik nicht gewollt, ein Streik schafft keine Arbeitsplätze", sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick bei der Vorlage der Quartalszahlen. Das Unternehmen kündigte zugleich an, flexibel auf die Arbeitsniederlegungen zu reagieren. Konzernchef René Obermann erwartet, dass alle Dienstleistungen und Netze stabil laufen und die Grundversorgung nicht gestört werden.

Am Nachmittag wollte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi das Ergebnis der Urabstimmung über Arbeitskampfmaßnahmen bekannt geben. Es wurde mit einer großen Zustimmung gerechnet. Verdi hatte 18.000 Verdi-Mitglieder zum Urnengang aufgerufen. Die Beschäftigen wollen sich mit Streiks gegen die Auslagerung von 50.000 Arbeitsplätzen in drei Service-Gesellschaften zur Wehr setzen, wo sie schlechter bezahlt werden und länger arbeiten sollen. "Wir bereiten uns darauf vor, flexibel auf Streikmaßnahmen zu reagieren, damit die Kunden nicht betroffen werden", betonte Eick. Der Finanzvorstand der Telekom hatte als kommissarischer Personalchef die Verhandlungen mit Verdi geführt.

Obermann will zurück an den Verhandlungstisch

Obermann forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Ein Streik nützt niemandem." Statt kurzfristig auf die Wahrung von Besitzstände zu pochen, sollte Verdi gemeinsam mit dem Management langfristige Perspektiven für das Unternehmen und seine Mitarbeiter erarbeiten. "Der Ball liegt jetzt im Spielfeld des Gegners", betonte Eick. Der Vorstand erwartet, dass es im bevorstehenden Streik vor allem bei den Call Centern und dem Kundendienst im Außenbereich zu Beeinträchtigungen kommen könnte.

In fünf Verhandlungsrunden hatten sich die Telekom-Führung und Verdi nicht über die Modalitäten der Auslagerung einigen können. Die Gewerkschaft verlangt einen tariflichen Auslagerungsschutz. Die Telekom, die im Inlandsgeschäft immer stärker unter die Räder des Wettbewerbs gerät, muss Kosten sparen und will die Arbeitsbedingungen an den Wettbewerb angleichen. Durch die Auslagerung, der Vorstand notfalls auch gegen den Willen der Gewerkschaft zum 1. Juli umsetzen will, sollen Kosten in einer Größenordnung von bis zu 900 Millionen Euro eingespart werden.

In Deutschland herrsche ein gnadenloser Preiskampf, umschrieb Obermann die Geschäftslage des Unternehmens in den ersten drei Monaten 2007. "Zu den eingeleiteten Reformschritten gibt es daher keine Alternative", sagte er. Vor allem auf der Kostenseite müsse dieser Kurs konsequent fortgeführt werden. Nur so könne die Eigenständigkeit der Telekom erreicht und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden.

Kräftige Einbußen im Deutschlandgeschäft

Im Deutschlandgeschäft verzeichnete die Telekom im ersten Quartal zum Teil kräftige Einbußen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte um knapp sechs Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Im Inland war es gar ein Rückgang von mehr als 18 Prozent. Ein Grund hierfür war der Rückgang der Umsatzerlöse im Festnetzgeschäft durch weitere Verluste bei traditionellen Telefonanschlüssen.

So verlor das größte europäische Telekommunikationsunternehmen über 588.000 Anschlüsse an die Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hatten mehr als zwei Millionen Kunden dem Bonner Riesen den Rücken gekehrt. Im Gegenzug gewann die Telekom im ersten Quartal aber 572.000 neue DSL-Kunden. Das sei das stärkste Wachstum gewesen, das je in einem Quartal erreicht worden sei, betonte Obermann.

Beim Umsatz erwirtschaftete der Konzern mit weltweit 247.000 Mitarbeitern, davon knapp 160.000 in Deutschland, ein Plus von 4,1 Prozent auf 15,4 Milliaren Euro. Der Überschuss halbierte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal auf rund 500 Millionen Euro. Milliarden Euro. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar