Wirtschaft : Telekom: Regierung stützt Konzern-Chef Sommer

Neue Rücktrittsforderungen von Politikern an die Adresse von Telekom-Chef Ron Sommer haben die Bundesregierung am Sonntag dazu veranlasst, sich hinter den Manager des Staatsunternehmens zu stellen. Der Opposition warf die rotgrüne Koalition Einmischungsversuche vor. "Das operative Geschäft ist Sache des Vorstandes und vor allem des Vorstandsvorsitzenden, mit dem die Bundesregierung vertrauensvoll zusammen arbeitet", sagte ein Regierungssprecher. Personalentscheidungen treffe der Aufsichtsrat des Unternehmens in alleiniger Verantwortung.

"Wer wie die Opposition offenbar ohne Kenntnis des Aktienrechts versucht, auf dem Rücken der Deutschen Telekom parteipolitische Süppchen zu kochen, schwächt das Unternehmen und schadet seinen Aktionären", sagte der Sprecher weiter. Eine Stellungnahme zur Haltung der Regierung im Aufsichtsrat der Telekom gab das Bundespresseamt jedoch nicht ab. Der Bund hält 43 Prozent der Anteil an der Deutschen Telekom und ist damit in dem Aufsichtsgremium als Großaktionär einflussreich vertreten.

Einem Bericht der Zeitung "Welt am Sonntag" zufolge fordert nun auch der Vorsitzende des Beirats der Regulierungsbehörde für Telekommuniation und Post, Elmar Müller (CDU), das Ausscheiden Sommers. FDP-Vizefraktionschef Rainer Brüderle räumt Sommer noch eine "gewisse Galgenfrist" ein. Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jürgen Koppelin, kündigte an, die Liberalen wollten im Haushaltsausschuss einen Bericht des Bundesrechnungshofes über die Geschäftspolitik der Telekom seit 1997 verlangen.

Gerüchte um mögliche Nachfolger

Rückendeckung erhielt Sommer indes von NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD). "Ich schätze Ron Sommer außerordentlich", sagte Clement. "Die Landesregierung hat großes Interesse an einem erfolgreichen Kurs der Telekom. Sie vertraut dabei auf Ron Sommer und seine Vorstandskollegen." Auch CDU-Fraktionsführer Friedrich Merz stellte sich hinter Somme rund erklärte - im Widerspruch zu seinem Parteikollegen -, Sommer habe Vertrauen und Unterstützung für seine Arbeit verdient.

Sommer selbst hatte in der vergangenen Woche Spekulationen um seinen Rücktritt zurückgewiesen. Spekulationen über seine Person entbehrten "jeder Grundlage". Er trage die Verantwortung für die Strategie des Konzerns und könne sich Kritik "auch als erster stellen", schrieb der Telekom-Vorstandschef in einem Brief an die Belegschaft. Er war zuletzt verstärkt in die Kritik geraten, nachdem die Telekom eine Gewinnreduzierung für das letzte Jahr angekündigt und der Kurs der Telekom-Aktien deutlich an Boden verloren hatte. Die Telekom hatte am Mittwoch mitgeteilt, ihre Immobilienvermögen neu zu bewerten, wodurch sich der Reingewinn 2000 um 1,5 Milliarden Mark oder rund 20 Prozent reduzieren werde. Die Telekom-Aktie hatte daraufhin zum Wochenschluss ihre Talfahrt der vergangenen Tage fortgesetzt und war am Freitag mit 24,55 Euro rund drei Prozent unter Vortagesschluss nahe ihres Zwei-Jahrestiefs aus dem Handel gegangen. Wie die "Welt am Sonntag" weiter berichtete, soll Sommer bereits zu Beginn der vergangenen Woche dem Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus seinen Rücktritt für den Fall angeboten haben, dass die Bundesregierung ihm keine Rückendeckung gebe. Zudem soll der Aufsichtsrat dem Bericht zufolge bereits potenzielle Nachfolger für Sommer sondiert haben. Als aussichtsreiche Kandidaten gälten Bahn-Aufsichtsratschef Dieter Vogel, Swisscom-Vorstandsmitglied Carsten Schloter sowie Telekom-Vorstand Josef Brauner, schrieb das Blatt.

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