Wirtschaft : Telekom steckt Milliarden ins US-Netz

40 Millionen Mobilfunkkunden bis 2015 angepeilt / Erst zwei Drittel der Amerikaner haben ein Handy

Corinna Visser

New York - Die Deutsche Telekom investiert weitere Milliarden in ihr Mobilfunkgeschäft in den USA. Nachdem die Konzerntochter T-Mobile im vergangenen Monat für 4,2 Milliarden Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro) Mobilfunklizenzen in den USA ersteigert hatte, sollen nun bis 2009 weitere 2,1 Milliarden Euro in den Ausbau des Netzes fließen. Das kündigte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke am Freitag in New York an. Analysten hatten damit gerechnet, dass die Telekom deutlich mehr Geld in die Infrastruktur investieren würde.

Der Erwerb des neuen Frequenzspektrums in den USA bedeute für den gesamten Konzern einen wichtigen Schritt nach vorn. Die Telekom erhalte aus dem US-Geschäft wichtige Wachstumsimpulse. „Wir wollen unseren Umsatzanteil in den USA maximieren und T-Mobile USA zur größten Einzelgesellschaft im Konzern ausbauen“, sagte Ricke.

Die US-Telekommunikationsbehörde FCC hatte in einer vierwöchigen Auktion neue Sendelizenzen für verschiedene Regionen des Landes versteigert. T-Mobile hatte dabei mit insgesamt 4,2 Milliarden Dollar die höchste Summe geboten und die meisten Lizenzen erworben. Experten hatten zuvor bereits erwartet, dass T-Mobile versuchen würde, sich möglichst oft durchzusetzen, da das Unternehmen mit Abstand der kleinste der vier landesweiten Anbieter in den USA ist. Die größeren Konkurrenten Cingular Wireless, Verizon Wireless und Sprint Nextel haben jeweils mehr als 50 Millionen Kunden. T-Mobile USA hatte dagegen zur Jahresmitte nur 23,3 Millionen Teilnehmer. Bis zum Jahr 2015 solle die Zahl der Mobilfunkkunden in den USA auf 35 bis 40 Millionen steigen, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick.

Die jetzt angekündigten 2,1 Milliarden Euro will die Telekom in den Ausbau des Netzes für schnelle Datenübertragung (in Deutschland UMTS) investieren. Der Ausbau soll im vierten Quartal beginnen und sich schwerpunktmäßig auf die Jahre 2007 und 2008 erstrecken. Der Anstieg der Investitionen von T-Mobile USA in die Netzinfrastruktur werde allerdings geringer ausfallen, weil parallel zum Aufbau des neuen Netzes die Investitionen in das bestehende Netz teilweise zurückgefahren werden, teilte die Telekom mit. Finanzchef Eick sagte, dass sich die Umsatz- und Ergebnisplanung des Konzerns für die Jahre 2006 und 2007 durch die Investitionen nicht verändern werde. Die Börse reagierte trotzdem mit Abschlägen. Die T-Aktie verlor zunächst ein Prozent, weil es Gerüchte über ein Interesse der Telekom an einer Übernahme des britischen Konkurrenten BT gab. Später erholte sich der Kurs und notierte am Ende mit 0,1 Prozent im Plus.

Im Gegensatz zu den weitgehend gesättigten Märkten in Europa, wo es in vielen Ländern statistisch gesehen schon mehr als ein Handy pro Einwohner gibt, gilt der US-Markt immer noch als Wachstumsmarkt. Denn hier haben erst rund zwei Drittel der Bevölkerung ein Handy. Telekom-Chef Ricke rechnet damit, das der US-Markt bis zum Jahr 2010 jährlich um mehr als sechs Prozent wachsen wird. Zum Vergleich: Der deutsche Markt ist wegen des Preisverfalls im vergangenen Quartal sogar leicht geschrumpft. Da der Mobilfunk bisher der größte Wachstumstreiber im Konzern war, setzt die Telekom nun noch stärker auf das Geschäft in den Vereinigten Staaten. T-Mobile USA trug im ersten Halbjahr 2006 mit Erlösen von 6,7 Milliarden Euro bereits rund 22 Prozent zum Konzernumsatz bei. Zum Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) leistete die US-Tochter einen Beitrag von 19 Prozent.

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