Wirtschaft : Telekom und Mannesmann machen mobil

DONATA RIEDEL GEORG WEISHAUPT (HB)

Firmen ohne eigenes Telefonnetz unfairen Wettbewerb vorgeworfenVON DONATA RIEDEL/GEORG WEISHAUPT (HB) DÜSSELDORF/STUTTGART.Eine seltene Allianz formiert sich: Die Mannesmann AG, Düsseldorf, und die Deutsche Telekom AG, Bonn, fordern einen faireren Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt."Es kann nicht sein, daß einige Telefonfirmen auf dem Rücken der Netzbetreiber vom Wettbewerb profitieren", moniert Peter Mihatsch, Mannesmann-Vorstand für Telekommunikation, gegenüber dem Handelsblatt.Dieser Kritik schließt sich Telekom-Chef Ron Sommer an. Das Problem hängt damit zusammen, daß seit 1.Januar 1998 sehr unterschiedliche Spieler im Telekommarkt mitmischen: die mit eigenem und die ohne eigenes Telefonnetz.Reine Dienstleister wie die Mobilcom AG, Schleswig, und die Talkline GmbH, Elmshorn, haben sich am 1.Januar zunächst an einem einzigen Punkt in das Netz der Telekom und anderer Netzbetreiber eingeklinkt und wickeln darüber alle Telefongespräche ihrer Kunden ab.Ihre Netz-Investitionen beschränken sich damit im wesentlichen auf einen Vermittlungsrechner. Netzbetreiber wie die Telekom, die Mannesmann Arcor AG & Co., Eschborn, und die Otelo GmbH & Co., Düsseldorf, hingegen investieren Milliardenbeträge in eine eigene bundesweite Infrastruktur. Das wäre aus Sicht Mihatschs in Ordnung, wenn die reinen Dienstleister trotz des viel geringeren Aufwands nicht die gleichen Gebühren für die Netznutzung zahlen würden.Es fehle so die Grundlage für wirkliche Innovationen im deutschen Telekommarkt.Das deutsche Telekommunikationsgesetz geht in dieser Frage im internationalen Vergleich sehr weit, indem es Netzbetreiber und Dienstleister grundsätzlich gleichstellt.In vielen anderen Ländern gibt es höhere Auflagen für reine Dienstleister. In Deutschland war es zunächst erklärte Absicht des Gesetzgebers, durch möglichst niedrige Einstiegshürden möglichst schnell viele Telefongesellschaften an den Markt zu bringen.Wer viele Gespräche abwickelt, wird dann auch neue Vermittlungsrechner aufstellen, so das Kalkül.Niemand jedoch hatte damit gerechnet, daß einzelne Dienstanbieter wie Mobilcom und Talkline so schnell so großen Erfolg haben würden.3,5 Mill.Gesprächsminuten vermittelt Mobilcom nach eigenen Angaben inzwischen täglich.Talkline spricht von einer Million Gesprächsminuten am Tag. Ein Infrastrukturaufbau findet bei beiden erst nach und nach statt.So hat Talkline seit März vier Vermittlungsrechner in Hamburg, Düsseldorf, München und Berlin in Betrieb.Auch Mobilcom plant weitere Zugangsknoten zum Telekomnetz. Die Vielzahl von Verbindungen der beiden Newcomer ohne eigenes Netz beschert der Telekom nach Aussage ihres Netz-Vorstandes Gerd Tenzer erheblichen Mehraufwand.Telefoniert zum Beispiel ein Münchner mit einem Frankfurter über die Mobilcom-Netzvorwahl, muß die Telekom das Gespräch von München zum Mobilcom-Vermittlungsrechner nach Hamburg schalten, der schaltet es wieder an die Telekom, die es nach Frankfurt weiterleitet."So wird zusätzlich Verkehr in unsere Netze gebracht, der uns zum weiteren Ausbau zwingt", erläutert Tenzer. Weil außerdem auch Konkurrent Talkline seine erste Vermittlungsstelle in Hamburg aufgebaut hatte, gerät das Hamburger Telefonnetz inzwischen physisch an seine Kapazitätsgrenze: Der Marktführer Telekom muß fürchten, daß er in Spitzenzeiten nicht mehr alle eigenen Kunden bedienen kann, weil er für sie keine Leitungen mehr frei hat. Tenzer hält es für notwendig, daß die neuen Dienstleister nicht nur weitere Vermittlungsrechner aufstellen, sondern auch Telefonkabel verlegen.Nur so könnten die Fernstrecken der Telekom wieder entlastet werden. Die Telekom beläßt es hier nicht bei Wünschen, sondern hat bereits die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post auf das Problem aufmerksam gemacht.Auch Mannesmann will in dieser Sache beim Aufsichtsorgan vorstellig werden.Aus Behörden-Kreisen hieß es allerdings, daß man sich bereits der Problematik bewußt sei.Andererseits dürfte sich die Behörde schwer tun, die bisherigen Vorgaben grundsätzlich zu ändern.Denn davon wären vor allem die Telefongesellschaften betroffen, die gerade ihren Markteintritt vorbereiten.

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