Wirtschaft : Telekom vor weiterem Stellenabbau

Stefan Kaiser

Berlin - Der Stellenabbau bei der Deutschen Telekom könnte wesentlich heftiger ausfallen als bisher bekannt. Nach einem Bericht der „Bild-Zeitung“ prüft das ehemalige Staatsunternehmen einen Abbau von weiteren 23 000 Arbeitsplätzen bis 2010. Bereits bis Ende 2008 müssen nach früheren Beschlüssen 32 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen.

Bei der Telekom will man von weiteren Sparplänen aber nichts wissen. „Es gibt keine entsprechenden Vorstandsbeschlüsse, und es wird auch keine geben“, sagte Sprecher Stephan Broszio am Samstag dieser Zeitung. Entsprechende Planungen könne man jedoch nicht ganz ausschließen. Er verwies auf frühere Aussagen von Konzernchef Kai-Uwe Ricke, wonach der Personalabbau auch nach 2008 weitergehen könne. „Man kann jetzt noch nicht über Zahlen reden“, sagte Broszio. Das Ausmaß des Personalabbaus hänge vom regulatorischen Umfeld und technologischen Wandel ab.

Verdi-Bundesvorstand und Telekom-Aufsichtsrat Lothar Schröder zeigte sich von den Berichten überrascht. Er kenne die Vorhaben nicht, sagte Schröder dem Tagesspiegel am Sonntag. „Ich traue dem Unternehmen derartige Pläne aber zu.“ Es gebe deutliche Indizien für einen rigideren Kurs der Telekom gegenüber den Beschäftigten, sagte Schröder. „Sollte sich das bestätigen, wäre das eine Katastrophe für die Beschäftigten“, sagte Schröder mit Blick auf den Zeitungsbericht. Ein weiterer Personalabbau würde das Unternehmen in die Handlungsunfähigkeit treiben.

Schröder forderte die Regierung zum Eingreifen auf. „Der Bund als größter Anteilseigner kann nicht zulassen, dass das Unternehmen sich gänzlich aus der beschäftigungspolitischen Verantwortung zurückzieht.“

Die Zeitung berief sich in ihrem Bericht auf ein internes Vorstands-Papier, wonach die Überlegungen zum Personalabbau sogar noch weiter gehen. Angesichts des Wettbewerbs könne der Konzern in Deutschland nur noch rund 93 000 Menschen wettbewerbsfähig beschäftigen. Derzeit hat das Unternehmen noch rund 170 000 Mitarbeiter im Inland.

Konzernchef Ricke, der die Telekom bis 2010 zu Europas ertragsstärkstem Unternehmen der Branche machen will, steht derzeit mächtig unter Druck. Im Sommer musste er seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich senken. Allein in der Festnetzsparte hatte die Telekom im ersten Halbjahr rund eine Million Kunden verloren. Laut Medienberichten will Ricke etwa fünf Milliarden Euro an Kosten einsparen – auch beim Personal.

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