Wirtschaft : Telekom will Gehälter um zwölf Prozent kürzen

Konzern schließt einen Verkauf von Konzernteilen nicht aus, wenn es keine Einigung mit der Gewerkschaft geben sollte

Jens Tönnesmann,Corinna Visser

Düsseldorf/Berlin - Der Konflikt zwischen der Deutschen Telekom und der Gewerkschaft Verdi spitzt sich zu. Sollte es mit Verdi bis Ende April keine Einigung im Streit um die geplante Auslagerung von 50 000 Mitarbeitern in neue Service- Gesellschaften geben, will die Telekom ihre Pläne ohne Unterstützung Verdis umsetzen und schließt dann einen Verkauf von Teilen dieser Gesellschaften nicht aus. Verdi lehnte das Telekom-Angebot strikt ab. Am Abend forderte die Große Tarifkommission der Gewerkschaft die Verhandlungsdelegation auf, die Urabstimmung für einen Streik vorzubereiten. Zugleich wurde die Telekom ultimativ aufgefordert, in Verhandlungen über einen tariflichen Auslagerungsschutz zu treten – ohne eine Frist zu nennen. „Wir haben es satt, dass die Telekom unbeirrt an ihrem Zeitplan festhält“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder. „Der Zeitdruck ist inakzeptabel.“

Am Montag hatten sich Telekom und Verdi zu einer vierten Verhandlungsrunde getroffen. Die Telekom hat dabei Verdi ein Angebot unterbreitet, das Gehaltseinschnitte von zwölf Prozent und eine Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit vorsieht (siehe Kasten). Im Gegenzug will der Konzern auf Kündigungen und einen Verkauf der Gesellschaften bis Ende 2010 verzichten. Noch gibt es keinen neuen Verhandlungstermin.

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bekräftigte Telekom-Verhandlungsführer und Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, dass die Einigung mit der Gewerkschaft bis Ende April unter Dach und Fach sein müsse. Andernfalls werde man die betroffenen Mitarbeiter im Alleingang zum 1. Juli in bestehende Gesellschaften ausgliedern. „Das können wir tun und das werden wir tun“, sagte Eick. Auch ein Verkauf von Teilen des Unternehmens sei dann denkbar. „Wir setzen auf eine Einigung“, sagte er und erneuerte damit das Gesprächsangebot an die Gewerkschaft. „Aber wir haben immer gesagt, dass wir den Verkauf nicht ausschließen können für den Fall, dass wir uns nicht verständigen.“ Sollte es zu den von Verdi angedrohten flächendeckenden Streiks kommen, erwägt die Telekom juristische Schritte: „Wenn ich von Erzwingungsstreik oder flächendeckenden Streiks höre, mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob das zulässig ist“, sagte Eick.

Mit den längeren Arbeitszeiten hofft der Konzern, Aufträge, die bisher an fremde Firmen vergeben wurden, wieder mit eigenen Mitarbeitern erledigen zu können. Unterm Strich könne man so zwischen 600 und 900 Millionen Euro pro Jahr einsparen und möglicherweise neue Stellen schaffen, sagte Eick.

Nach Berechnungen von Verdi müssten die Beschäftigten aber insgesamt materielle Einbußen von rund 40 Prozent hinnehmen, da zu der Gehaltskürzung noch die verlängerte Arbeitszeit, veränderte Arbeitszeitregeln und tarifliche Nullrunden hinzukämen. Das sei eine katastrophale Zumutung, sagte Verhandlungsführer Schröder. „Bei einer derartigen Dimension des Umbaus ist ein Kündigungsschutz nur bis 2010 nicht ausreichend.“

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