Wirtschaft : Terror erschreckt auch die Börse

Die Anschläge auf Bali beenden die kurze Erholungsphase an den Märkten – Steuerpläne schockierten auch

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Berlin (dr). Die Terroranschläge auf Bali haben am Montag an den Aktienmärkten die Ängste verstärkt. Besonders groß waren die Kursrückgänge an den deutschen Börsen. Ein weiterer Schock erfolgte am Nachmittag. Nachdem die Koalition angekündigt hatte, dass Spekulationsgewinne in jedem Falle versteuert werden müssen, stürzte der Dax bis gegen 17 Uhr zeitweise um vier Prozent ab. Der Hauptgrund: Müntefering hatte zunächst auch angekündigt, die Koalition wolle die Veräußerungsgewinne von Kapitalgesellschaften wieder besteuern. Kurze Zeit später nahm Müntefering diese Darstellung aber zurück und auch die Kurse erholten sich wieder.

Der Dax schloss mit einem Minus von 2,75 Prozent auf 2850,11 Punkten. Zu den Schlusslichtern gehörte Tui, deren Aktien zwischenzeitlich um fast 12 Prozent abgestürzt waren, und Lufthansa, die über vier Prozent verlor. Andere Börsen in Europa und auch Märkte in Südostasien reagierten ebenfalls mit Kursverlusten. Die Umsätze waren allerdings gering, da die Märkte in Japan und Hongkong wegen eines Feiertages geschlossen blieben.

Für die Anfangsverluste beim Dax sowie den Kursrückgang bei Lufthansa und Tui nannten die meisten Analysten allerdings technische Faktoren als Ursache. Nach den starken Kurssteigerungen zum Ende der vergangenen Woche hätten viele Anleger Gewinne mitgenommen. Diese Tendenz sei durch die Bombenanschläge in Bali lediglich verstärkt worden, hieß es auf dem Parkett.

Hans Huff, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, erinnert daran, dass die Aktie der Lufthansa am vergangenen Freitag um rund 17 Prozent gestiegen sei. Da sei eine Gegenbewegung normal. Die Auswirkungen des Terrors auf Bali seien für die Lufthansa wohl eher gering. Direktflüge dorthin gebe es gar nicht. Etwas stärkere Auswirkungen sieht Huff bei Tui. Allerdings liege bei dem Touristikkonzern der Umsatzanteil von Asien/PazifikReisen unter zwei Prozent. Schwerpunkt des Angebots sei Europa und vor allem Spanien.

Die Buchungsrückgänge in Spanien im laufenden Jahr seien im Aktienkurs bereits berücksichtigt, die Aktie bereits „abgestraft“. Huff stuft die Tui-Aktie deshalb nach wie vor auf „halten“ ein. Auch Dirk Rüttgers, Leiter des Asset Management bei der Weberbank, beruhigt. Die Unternehmen der Tourismusindustrie seien bereits stark gebeutelt. In den Kursen sei schon sehr viel Angst enthalten. Vorausgesetzt, Bali sei nicht der Auftakt für eine Anschlagserie, sei die Aktie von Tui derzeit durchaus attraktiv.

Bei Tui bemüht man sich, Entwarnung zu geben. Von den konzernweit rund 22 Millionen Flugpassagieren reisten im vergangenen Jahr nur rund 260000 nach Südostasien. Davon flogen etwa 50000 nach Indonesien, sagte ein Sprecher. Auch der zweite der Branche, Thomas Cook, reagiert entspannt. Bei einem Gesamtumsatz von 6,3 Milliarden Euro flogen im vergangenen Jahr nur rund 100 000 Gäste nach Asien/Pazifik. Davon aber nur rund 3500 nach Indonesien. Für die beiden nächsten Abflugtermine am 16. und 19. Oktober hätten nur zehn Touristen aus Deutschland gebucht, so eine Sprecherin.

Ähnlich die Situation bei der Rewe-Gruppe. Bei der drittgrößten Touristik-Gruppe liegt der Anteil der Asienreisenden unter zwei Prozent. Bei Frosch Touristik (FTI) will man keine Angaben machen. Doch Branchenkenner schätzen, dass auch hier Reisen nach Südostasien am Gesamtumsatz von 1,7 Milliarden Euro nur einen Anteil von unter einem Prozent haben.

Zweites großes Thema auf dem Parkett waren die Pläne der Koalition, die Frist für die Versteuerung von Spekulationsgewinnen aufzuheben. Sind Spekulationsgewinne bisher steuerfrei, wenn der Anleger das Papier länger als ein Jahr gehalten hat, sollen die Finanzämter künftig grundsätzlich am Gewinn teilhaben. Einhellige Meinung der Börsianer: solche Pläne sind Gift für das Klima in Deutschland. „Sparen wird von rot-grün bestraft, konsumieren belohnt“.

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