Teures Gemüse : Warum Sie jetzt Wirsing kaufen sollten

Der Wintereinbruch in Spanien lässt die Preise für Salat, Paprika und Tomaten explodieren. Auch Bio ist betroffen.

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Gesund: Wirsing und Blumenkohl enthalten viele Vitamine und Ballaststoffe.
Gesund: Wirsing und Blumenkohl enthalten viele Vitamine und Ballaststoffe.Foto: imago/STPP

Er könnte der große Gewinner dieses Winters werden – der Kohl. Während die Preise für Salat, Tomaten oder Zucchini wegen des Wintereinbruchs in Spanien in die Höhe schießen, wartet er geduldig und bescheiden in den Supermarktregalen auf seine Käufer. Egal, ob Rot- oder Weißkohl, Wirsing oder Rosenkohl, das deutsche Gemüse ist harte Winter gewöhnt – anders als Auberginen oder Gurken, die derzeit in Südeuropa massenhaft schlapp machen. Kohl ist billig. Und gesund. Ernährungsexperten schwärmen von seinen Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Und wer Kohl partout nicht leiden kann, kann auf Möhren, Sellerie oder Steckrüben umsteigen. Auch dieses Wintergemüse ist reichlich vorhanden.

Tomaten und Paprika sind teuer

Für Liebhaber von Tomaten, Eisbergsalat und Paprika sind dagegen harte Zeiten angebrochen. In Deutschland haben sich die Salatpreise verdoppelt. Statt 70 Cent kostet der Salatkopf jetzt zwei Euro, in Großbritannien können Kunden Kopfsalat und Brokkoli nur noch abgezählt kaufen. In Deutschland wird nicht rationiert. Hier entscheidet eher der Geldbeutel über den Kauf von frischem Gemüse. Gurken, Zucchini und Paprika sind doppelt bis drei Mal so teuer wie im Vorjahr. Auch der Bio-Bereich ist betroffen. „Wir haben dasselbe Problem“, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Chef des Bundes Ökologische Landwirtschaft, dem Tagesspiegel.

Schnee und Regen in Spanien

Das Problem sind die winterlichen Wetterturbulenzen in Spanien. An der spanischen Mittelmeerküste ist das Wetter eigentlich das ganze Jahr über mild genug für den Gemüseanbau. Doch Ende Dezember wurde die Region von schweren Regenfällen heimgesucht – und im Januar fiel sogar Schnee, für die Region eine Katastrophe. In der Gegend um Murcia, dem Zentrum des spanischen Gemüseanbaus, hatte es vorher mancherorts 34 Jahren lang nicht geschneit. Die Wetterkapriolen ließen die Ausfuhr ins europäische Ausland um rund 30 Prozent einbrechen, wie die spanische Vereinigung der Agrarexporteure berechnete. Der Bauernverband COAG sprach von einer Halbierung der Produktion in den am schlimmsten betroffenen Gebieten. Manche Landwirte verloren die komplette Ernte. Zudem zerstörten die heftigen Niederschläge die Felder stellenweise so stark, dass an Neuanpflanzung vorerst nicht zu denken ist.

Spanien ist der wichtigste Exporteur

Spanien ist der wichtigste europäische Gemüse- und Obstlieferant. Durchschnittlich 30 Prozent des Angebots in Europa stammt aus dem Land, im Winter sogar die Hälfte. Die Ernteausfälle bekommt deshalb der ganze Kontinent zu spüren. Auch Deutschland. Zwei Drittel des Gemüses in deutschen Supermärkten kommen aus Spanien und Italien. Verschärft wird die Knappheit aktuell dadurch, dass auch in der wichtigen Anbauregion Norditalien kräftig Schnee fiel.
Ein Hoffnungsstreifen ist jedoch in Sicht: Das spanische Landwirtschaftsministerium rechnet damit, dass sich die Produktion in den nächsten Wochen wieder erholt; die Bauernverbände gehen von einer Normalisierung bis Anfang März aus. Nur beim Salat könnte es noch bis April dauern. Doch dann ist es auch nicht mehr lang hin, bis das deutsche Frühlingsgemüse par excellence auf den Tisch kommt, der Spargel. mit AFP

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