Wirtschaft : Text ist gut, Bilder sind besser

Die Mobilfunkbetreiber wollen mit den neuen Multimedia-Botschaften an den Erfolg von SMS anknüpfen

Tobias Symanski

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, dachten sich Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber und erfanden MMS. Ungelöste Fragen wie „Soll ich die blaue oder die rote Krawatte zum grün karierten Hemd anziehen?“ gehören seitdem der Vergangenheit an. Während der Geschäftsreise kann sich ein unentschlossener Mann nun authentischen Rat von seiner stilsicheren Frau holen. Ein paar Knopfdrücke genügen, damit sie sich ein eigenes Bild vom korrekten Aussehen ihres Gatten machen kann.

MMS steht für Multimedia Messaging Services und ist das bunte Nachfolgeprodukt der farblosen und bildarmen elektronischen Kurzbotschaften SMS, die hauptsächlich zum Versand von kurzen Texten dienen. Im vergangenen Jahr haben die Mobilfunkkunden in Deutschland gut zehn Milliarden SMS quer durch alle Netze verschickt. An diesen Erfolg hoffen die Netzbetreiber nun anknüpfen zu können. Und die erste Beobachtung ist, die Zahl der SMS hat seit Einführung der MMS nicht abgenommen, sondern sie werden zusätzlich zu den SMS verschickt. Mit MMS können bunte Bilder, kurze Melodien, gesprochene Nachrichten und natürlich auch größere Texte gesendet werden – ein kleiner Eindruck von dem, was der zukünftige Mobilfunkstandard UMTS mindestens kann. Mit UMTS, so versprechen die Betreiber, können dann auch bewegte Bilder – etwa kleine Videoclips – verschickt werden.

Die Botschaft ist jetzt bunt

Die neue bunte Handywelt ist im vergangenen Weihnachtsgeschäft so richtig ins Rollen gekommen. Denn mittlerweile gibt es eine Auswahl von MMS-fähigen Geräten, und alle vier deutschen Netzbetreiber bieten MMS-Dienste an. Vodafone, bereits seit April vergangenen Jahres am Markt, hat bis Ende 2002 rund 250000 MMS-Handys verkauft, Marktführer T-Mobile schaffte in Deutschland 200000 Stück. Besonders Vodafone kurbelt mit seinem Portal „Vodafone live“ den MMS-Markt kräftig an. Über das Portal können Kunden mit speziellen MMS-Handys zusätzliche Dienste abrufen, zum Beispiel Bilder, Spiele und Melodien herunterladen. „Vor Einführung von Vodafone live Ende Oktober wurden in unserem Netz 60000 MMS pro Woche verschickt, Ende Dezember waren es schon mehr als 200000 pro Woche“, sagt Jens Kürten von Vodafone.

Bis auf die Verbindung von E-Plus zu Vodafone – hier wird noch verhandelt – können die bunten Nachrichten genauso wie SMS kreuz und quer durch alle Netze gejagt werden. Anders als bei reinen Textnachrichten sind die Kosten für MMS aber von der Datenmenge abhängig.

Die Netzbetreiber verlangen inzwischen alle die gleichen Preise für den Versand der Multimedia-Botschaften. Vertragskunden zahlen dabei etwas weniger als Kunden mit vorausbezahlten Guthabenkarten (Prepaid). Grundsätzlich gibt es zwei Preisstufen (siehe Tabelle).

Innerhalb des eigenen Netzes kostet eine MMS-Botschaft mit bis zu 30 Kilobyte Datenmenge für Vertragskunden bei allen vier Mobilfunknetzbetreibern 39 Cent. Nachrichten mit mehr als 30 Kilobyte Datenmenge liegen bei allen Netzbetreibern bei 99 Cent. „Bisher gibt es noch kein Handy, das mehr als 100 Kilobyte verschicken kann“, sagt Heidi Miklos von O2. Das sei aber auch gar nicht notwendig. Ein Bild, das mit einer Handykamera gemacht und mit ein bisschen Text versehen wird, bleibt von den Kosten her im unteren Tarifbereich.

Dass MMS-Nachrichten schon bald billiger werden, ist aber nicht zu erwarten. „Die Anbieter werden versuchen, die derzeitigen Preisstufen zu etablieren“, sagt Mobilfunkexperte Carl Schneider von Xonio, einer Verbraucherberatung im Internet. Vor allem, weil alle Anbieter die gleichen Tarife haben, sei bisher auch kein Druck auf die Preise vorhanden. Damit bleibe der Preisunterschied zwischen MMS und SMS gewaltig, findet Schneider, daher sei mit einem raschen Aussterben des Kurzmitteilungsdienstes nicht zu rechnen.

Hinzu kommt der Kostenfaktor „neues Handy“: MMS macht nämlich nur Sinn, wenn das Gerät mit einem großen farbigen Display ausgestattet ist. Daher kommt der MMS-Willige nicht um den Kauf eines neuen Mobiltelefons mit zusätzlichen Funktionen herum. Mittlerweile gibt es schon zahlreiche Modelle der großen Hersteller Nokia, Sony-Ericsson, Siemens oder Motorola, die mit einer eingebauten oder aufsteckbaren Kamera versehen sind. Auch MMS-fähige Handys ohne Kamera werden angeboten, mit ihnen können Bilder empfangen oder weitergeleitet werden. „MMS macht aber wohl nur Sinn, wenn man ein Handy hat, mit dem man selbst Bilder produzieren kann“, sagt Mobilfunkexperte Schneider.

Rund zehn unterschiedliche Kamera- Handys gibt es derzeit zu kaufen. Die haben bisher teilweise stolze Preise. Immer noch rund 200 Euro müssen für ein ansprechendes Kamera-Handy hingeblättert werden, wenn gleichzeitig ein Mobilfunkvertrag bei einem Netzbetreiber abgeschlossen wird. „Manchmal gibt es solche Handys bei bestimmten Providern auch schon ab einem Euro“, sagt Schneider. Aber diese „Superschnäppchen“, wie sie von Debitel und anderen Service-Providern angeboten werden, haben einen Haken: „Der Mobilfunktarif ist dann relativ teuer“, sagt Schneider. Warten kann sich hier lohnen. Denn bald steht die weltgrößte Technologiemesse Cebit an. „Mit jedem neuen Handy werden die Preise fallen“, ist sich Schneider sicher.

Wer mit dem Kauf noch wartet und trotzdem an der schönen neuen MMS-Welt teilhaben will, kann auf das Internet zurückgreifen. Wird eine MMS-Nachricht an ein herkömmliches Mobiltelefon verschickt, erhält der Empfänger eine Eingangsmitteilung per SMS. Auf den Internetseiten von T-Online zum Beispiel kann die MMS-Botschaft dann innerhalb von drei Tagen abgerufen werden. Auch das Verschicken klappt ohne MMS- Handy. So gibt es von O2 einen Service im Netz, mit dem MMS kostenpflichtig an Handys und E-Mail-Adressen verschickt werden können. Daneben kann grundsätzlich jeder Besitzer einer E-Mail-Adresse MMS- Nachrichten empfangen. Die Bilder und Melodien entsprechen gängigen Datenstandards und werden als Anlage mit in den elektronischen Postkasten geschickt.

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