Wirtschaft : "The world turned upside down?": Auch in Zeiten der Globalisierung steht die Erde nicht Kopf

Indira Gurbaxani

Es scheint, dass Barry Jones den Titel seines Buches - frei übersetzt "Steht die Welt Kopf?" - ganz bewusst mit einem Fragezeichen versehen hat. Ist es doch inzwischen fast schon zu einer Art Allgemeingut geworden, dass Globalisierung mit einer Art Auflösung der Einzelstaaten gleichzusetzen ist. Die Angst der Bürger geht um, dass dies ein unumkehrbarer Prozess ist. Ein Prozess, in dem die Regierungen der Staaten nichts mehr zu sagen haben und die Macht in den Händen multinationaler Unternehmen liegt. Es muss hinterfragt werden, ob diese These richtig ist.

So geht es in dem Buch von Jones um "a study of the fate of one of the most dramatic institutions of the modern world - the nation state". In drei Teilen setzt sich der Verfasser mit den Problemen auseinander, die durch die Globalisierung seiner Meinung nach für den Staat entstehen. Neben verschiedenen Definitionen des Begriffs Globalisierung, versucht der Ökonomieprofessor die "Wurzeln" dieses "Phänomens" zu erfassen und befasst sich so mit der Rolle des Staates im 19. und 20. Jahrhundert im Vergleich. Als Vertreter eines starken Staates bezieht er sich auf den Franzosen Jean Bodin und den Briten Thomas Hobbes und zeigt, dass ein solcher Staat keine Garantie hat. Denn zwei Veränderungen unterliegt der Staat im Zeichen der Globalisierung.

Zum einen der rasant zunehmenden grenzüberschreitenden Integration einer Reihe ökonomischer Aktivitäten, insbesondere im Bereich der Finanzen, aber auch bei der Herstellung von Waren; zum zweiten der mit dem ersten Aspekt verbundenen schnelleren Anwendung und Verbreitung neuer Technologien. So gewinnt Jones, der grundsätzlich um die Macht des Einzelstaates fürchtet, der Globalisierung doch noch etwas positives ab: "New technologies become availible more rapidly than in the past (....). People are able to travle internationally with far greater ease and at lower financial cost than previously."

Doch so sehr Jones die Vorteile in den Bereichen Finanzierung, Handel, Dienstleistung oder allgemein gesprochen Zeitgewinn betont, so kritisch steht er einer neuen globalen Gesellschaft, mit einer neuen globalen Kultur gegenüber. Die Begründung dafür fällt ihm letztendlich schwer, denn wie viele andere Autoren auch, neigt Jones zu einer Fehlinterpretation des Begriffs Globalisierung. So führt der Verfasser etwa die Asienkrise - ohne weitere Erklärung - auf die Globalisierung zurück. Hätte er sich ein wenig mehr mit Währungspolitik und den Übertragungsmechanismen der Kapitalmärkte befasst, so wäre er sicher zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Und warum sollte der Staat sich auflösen, nur weil neue Technologien schneller greifbar sind, oder weil der Handel mit Waren durch den Abbau von Handelshemmnissen besser funktioniert? Letztendlich scheint sich Jones selbst nicht ganz sicher in seinen Aussagen. Allein seine Unterscheidung "strong globalization" und "weak globalization" weisen darauf hin. Eine solche Unterscheidung kann es nicht geben, denn "ein wenig Globalisierung" oder "ein wenig mehr Globalisierung" existieren nicht.

Und was sollte einzuwenden sein gegen eine Internationalisierung im Sinne einer verbesserten Kooperation zwischen den Staaten? Richtig ist, dass der Einzelstaat, so wie es Jones betont, in der Vergangenheit immer eine entscheidende Rolle gespielt hat. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Mit seiner Aussage, dass die Staaten schon mit vielen Krisen zurechtgekommen sind, so auch mit der Globalisierung, möchte Jones dem Leser vielleicht Mut machen. Deshalb wohl auch das Fragezeichen im Titel des Buches. Es besteht jedoch keinerlei Anlass, dem Leser Mut zusprechen zu wollen. Globalisierung ist kein Schauergespenst. Globalisierung ist Gegenwart und Zukunft - und zwar mit Staaten, die auch weiterhin selbstständig handeln. Die Erde ist immer noch rund und Kopf steht sie sicher nicht, auch wenn von Globalisierung die Rede ist.

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