Wirtschaft : Thomas und Yolante

Wie die Dax-Konzerne Telekom, Siemens und Allianz mehr Frauen ins Management bringen wollen

Thomas Sattelberger ist überzeugt, dass Querdenker ein Unternehmen voranbringen. „Wir brauchen eine radikal neue Personalarbeit: Mehr Frauen in Führungsverantwortung und mehr Internationalität im Management – das zwingt Entscheider, sich mit neuem Denken auseinanderzusetzen“, schrieb der Personalchef der Telekom unlängst. Im Frühjahr hatte Sattelberger selbst für Aufregung in den Führungsetagen deutscher Großunternehmen gesorgt, als er bei der Telekom als erstem Dax-Unternehmen eine Frauenquote einführte: Bis Ende 2015, lautet das Ziel, sollen weltweit 30 Prozent Frauen in Führungspositionen der Telekom sitzen. Die jahrelangen Maßnahmen zur Frauenförderung seien redlich und gut gemeint gewesen, konstatierte er. Der durchschlagende Erfolg sei aber ausgeblieben. Mit der Einführung der Frauenquote entzündete Sattelberger eine rege Diskussion. Aber bisher wollte kein anderes Dax-Unternehmen dem Beispiel folgen.

Im Herbst zog die Telekom Bilanz: Im 60-köpfigen Management-Team unterhalb des Vorstands sind nun sechs statt zwei Managerinnen vertreten. Auch der Anteil von Frauen in Managemententwicklungsprogrammen ist von 2009 auf 2010 von 18 auf 31 Prozent gestiegen.

An der Spitze der Telekom sitzt aber immer noch eine reine Männerriege. Anders bei Siemens: Als einziges Dax-Unternehmen sitzen dort gleich zwei Frauen – die Schweizerin Barbara Kux und die Österreicherin Brigitte Ederer – im Vorstand. Für Denice Kronau, die Diversity- Beauftragte von Siemens, ist Vielfalt schlicht eine ökonomische Notwendigkeit im Kampf um die besten Köpfe. Mehr als die Hälfte aller Studienabgänger in Deutschland sind weiblich. „Dieses Potenzial müssen wir in Zukunft besser nutzen, denn wir können es uns einfach nicht leisten, auf Frauen zu verzichten“, sagt Kronau. Eine Quote lehnt sie ab. „Wir besetzen jede Stelle mit dem besten Kandidaten – und wollen Frauen in unserem Unternehmen die besten Voraussetzungen bieten, um sich in Führungspositionen zu etablieren.“ Siemens spreche gezielt den weiblichen Nachwuchs an. „Mit unserem Mentoringprogramm ,Yolante‘ unterstützen wir beispielsweise jährlich rund 100 junge Frauen bei ihrem naturwissenschaftlichen Studium.“ Die Zwischenbilanz: In Deutschland hat sich der Anteil von Frauen in Managementfunktionen von knapp sieben Prozent im Jahr 2002 auf knapp zehn Prozent im Jahr 2010 erhöht. Unter den rund 18 000 Mitarbeitern im deutschen Management sind demnach 1800 Frauen.

Wie Siemens lehnt auch die Allianz eine Quote ab, hat sich aber dennoch ein Ziel gesetzt: Bis 2015 soll der Talentpool für die Besetzung von Führungspositionen zu 30 Prozent aus Frauen bestehen. So sei der Anteil der Frauen im Führungskräfteentwicklungsprogramm, das auf Positionen direkt unterhalb der Vorstandsebene vorbereitet, von neun Prozent im Vorjahr auf 29 Prozent im Jahr 2010 gestiegen, im Allianz-Management-Programm für angehende Abteilungsleiter von 24 Prozent auf 43 Prozent. Das werde automatisch dazu führen, dass auch mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, hofft der Versicherungskonzern. Corinna Visser

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