Wirtschaft : Thyssen-Krupp: Zähe Neuordnung der Konzern-Spitze

Tobias Symanski

Am 2. März wird es ernst für Thyssen-Krupp. An diesem Tag lädt der Düsseldorfer Stahlkonzern seine Aktionäre zur zweiten ordentlichen Hauptversammlung ein. Neben der Vorlage der bereits bekannten Geschäftszahlen warten die Anteilseigner vor allem auf eines: Wird Heinz Kriwet seinen Chefsessel im Aufsichtsrat räumen und damit den Weg für eine Neuordnung der Konzernspitze frei machen?

Bereits im Januar hatte Kriwet angekündigt, dass er zu gegebener Zeit bereit sein werde, seinen Vorsitz im Aufsichtsrat zur Verfügung zu stellen, um die Wahl von Gerhard Cromme zum Aufsichtsratschef zu ermöglichen und Ekkehard Schulz als Vorstandsvorsitzenden zu bestätigen. Beide Manager stehen seit der Fusion im Jahre 1998 gemeinsam als Vorstandschefs an der Spitze des Konzerns. Das für ein Unternehmen dieser Größe ungewöhnliche Konstrukt sollte schon damals nur eine Übergangslösung sein. Zahlreiche Außenstehende, vor allem Analysten, haben die "stumpfe Doppelspitze" oft kritisiert; zu groß und schwerfällig sei der Vorstand.

Unzufriedenheit auch bei den Anlegern: Der Aktienkurs stürzte von 34 Euro im Dezember 1999 bis auf 14 Euro im Oktober vergangenen Jahres ab. Zwar hat sich das Papier aufgrund des guten Konzernergebnisses und der Ankündigung des personellen Neuanfangs wieder auf mehr als 19 Euro erholt. Doch ein weiterer Rückschlag ist nicht ausgeschlossen. "Wenn die Führungsfrage am Freitag gar nicht kommentiert wird, wird das sicher negativ aufgenommen werden", sagt Susanne Schwartze vom Bankhaus M. M. Warburg.

Heinz Kriwet ließ offen, ob die neuen Pläne schon bis zur Hauptversammlung vorliegen werden. Der Aufsichtsratschef machte unmissverständlich deutlich, dass er ohne eine einvernehmliche Lösung nicht ins zweite Glied zurück treten werde. Kriwet hatte betont, dass es nach seiner Beurteilung weder eine sachliche noch eine in den Personen - Vorstand, Doppelspitze, Aufsichtsratsvorsitz - liegende Notwendigkeit für einen solchen Schritt gebe.

Bisher sind die personellen Fronten bei Thyssen-Krupp verhärtet. Kriwet will seinen Posten nur räumen, wenn die Machtbalance im Stahlunternehmen erhalten bleibt. Entsprechend der Unternehmenswerte - zwei Drittel Thyssen und zu einem Drittel Krupp - soll auch der Vorstand und die Aktionärsvertretung im Aufsichtsrat besetzt sein. Zusätzlich möchte Kriwet einen normalen Sitz im Aufsichtsrat behalten; der Vertrag des 69-Jährigen läuft noch bis zum Jahre 2005. Dazu müsste dann ein anderer auf sein Mandat verzichten; um den Proporz aufrecht zu erhalten, kann dies nach Auffassung Kriwets nur ein Krupp-Mann sein. In der Diskussion steht auch die Verkleinerung des Vorstandes. Doch keiner will seinen Platz bisher freiwillig räumen.

Für Frank Wischmann vom Bankhaus Metzler sind die Reibereien bei Thyssen-Krupp unverständlich. "Das ist auch ein Zeichen dafür, dass in den oberen Rängen zu wenig ausgetauscht worden ist", sagt der Analyst. Schwartze von M. M. Warburg ist überzeugt, "diese ganze Diskussion macht deutlich, dass die Integration beider Konzerne noch lange nicht so weit ist, wie man sie gerne hätte". Die Querelen seien nicht gut für das operative Geschäft. Denn die zukünftigen Aufgaben bei Thyssen-Krupp erfordern volle Konzentration. "Im Bereich Stahl und Automotive stehen Gewinnenttäuschungen bevor." Ob allein die Rochade in der Führung die Grabenkämpfe zwischen Thyssen-Leuten und Kruppianern beseitigen wird, ist fraglich. "Nur die Auflösung der Doppelspitze wird wahrscheinlich nicht reichen", sagt Schwartze. "Es scheint doch noch einige entscheidende Köpfe zu geben, die nicht dieses Wir-Denken verinnerlicht haben."

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