Wirtschaft : Tourismus: Auch deutsche Ferienflieger erhöhen Preise

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Nach den Linienfluggesellschaften werden in den nächsten Tagen auch die deutschen Ferienflieger einen Zuschlag auf den Ticketpreis erheben. "Höhere Preise sind unabwendbar", sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV), dem Handelsblatt. Laepple will in Abstimmung mit Wirtschaftsministerium und Bundeskartellamt Preiserhöhungen für die gesamte Charterbranche zum 1.November durchsetzen. Der Ticketzuschlag könne "bei etwa elf Euro" je Strecke liegen. Die exakte Höhe hänge davon ab, wie der Streit der Airlines mit den Versicherern ausgeht.

Ferienfluggesellschaften spüren den Geschäftseinbruch seit den Terrorattentaten zwar nicht ganz so stark wie die Linienflieger, doch auch sie müssen fortan höhere Kosten für Sicherheit und Versicherungen stemmen. Wegen hoher Überkapazitäten gilt die finanzielle Situation bei den deutschen Ferienfluggesellschaften ohnehin als angespannt. Mit Sorge schaut die Branche deshalb auf den Reisemarkt, der angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage weiter schwächelt. "Die Stornowelle direkt nach den Attentaten ist zwar vorbei, doch die Neubuchungen kommen nur sehr verhalten", sagte Laepple. Sie lägen derzeit etwa 30 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Grundsätzliche Sorgen um die Zukunft des Touristikmarktes macht sich die Branche jedoch auch nach den ersten Militärschlägen in Afghanistan noch nicht: "Wir rechnen im nächsten Jahr weiter mit einem satten einstelligen Plus", sagt eine Sprecherin des Reiseveranstalters ITS. Auch bei Thomas Cook wird erwartet, dass sich das Reiseverhalten rasch wieder erholen wird. Im kommenden Jahr geht die gemeinsame Touristik-Tochter von Lufthansa und Karstadt Quelle von einem Gästeplus von vier Prozent bis fünf Prozent aus. "Es ist nicht die Frage, ob die Deutschen in Urlaub fahren, sondern allenfalls, wohin sie fahren," betont DRV-Präsident Laepple.

Den Veranstaltern ist es gleich: "Hauptsache, die Leute verreisen überhaupt", heißt es übereinstimmend bei den Unternehmen. Für eine generelle Reise-Zurückhaltung besteht auch nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes (AA) kein Anlass. Die Behörde hat noch am Sonntag eine Reisewarnung für Afghanistan ausgesprochen. Bereits seit dem Terroranschlag von New York rät sie von Privat- oder Geschäftsreisen unter anderem in den Irak, nach Pakistan und Tadschikistan ab.

Zugleich hat das AA am Montag seine Sicherheitshinweise für China, USA, Indonesien, die palästinensischen Autonomiegebiete, Israel und Ägypten aktualisiert. In China etwa wird "aus aktuellem Anlass" vor Reisen in die Westprovinz Xinjian gewarnt, ansonsten aber keine Einschränkung empfohlen. In Indonesien sei "erhöhte Vorsicht" geboten, weil in der weltweit größten muslimischen Bevölkerung Demonstrationen oder Gewalttätigkeiten nicht auszuschließen seien. Reisen nach Bali seien unproblematisch. Auch im Reiseland Ägypten gebe es bisher keinen Grund, den Urlaub nicht anzutreten. In den USA hätten die Behörden ein "erhöhtes Risiko neuer Anschläge" konstatiert, ohne konkret zu werden. Eine Empfehlung des Auswärtigen Amtes: "symbolträchtige Orte" meiden.

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