Tourismus : In Griechenland bleiben die Gäste aus

Tourismusbranche leidet unter der Rezession: Nach einer Schätzung der staatlichen Arbeitsverwaltung OAED sind bereits rund 50.000 Beschäftigte ohne Arbeit.

Gerd Höhler

Athen - Lakis Lyberopoulos sitzt in einem Kaffeehaus am Hafen der Insel Ägina und spielt Tavli. Der junge Mann ist Kellner. Vergangenes Jahr um diese Zeit servierte er den Gästen eines kleinen Hotels im griechischen Badeort Agia Marina das Frühstück. Aber jetzt ist Lakis arbeitslos – „vorübergehend“, wie er hofft. Über Ostern, das in Griechenland eine Woche später als in Deutschland gefeiert wurde, war das Hotel zwar geöffnet. „Aber von den 22 Zimmern waren nur vier belegt“, sagt Lakis. Jetzt hat der Besitzer erst mal wieder dichtgemacht. „Vielleicht machen wir Mitte Mai wieder auf“, hofft der 24-jährige Kellner.

Weil in Griechenland die Touristen ausbleiben, sind nach einer Schätzung der staatlichen Arbeitsverwaltung OAED bereits rund 50 000 Beschäftigte ohne Arbeit. Der Fremdenverkehr ist eine der wichtigsten Säulen der griechischen Wirtschaft. Er trug vergangenes Jahr 18 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Etwa 340 000 Griechen leben unmittelbar vom Tourismus, indirekt hängen sogar 800 000 Jobs an der Branche. Bereits in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gingen die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr um 20 Prozent zurück. Die Reservierungen für den Sommer liegen um ein Fünftel unter den Vorjahreszahlen.

Und auch das Osterfest brachte nicht die erhoffte Wende: „Es waren die schlimmsten Ostertage seit Jahrzehnten“, klagt Takis Abatzis, der Präsident des griechischen Hotelierverbandes. Auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki waren von 210 Hotels über Ostern nur 20 Häuser geöffnet – und teils zu weniger als 50 Prozent belegt. Auch auf der Insel Kreta im Süden ist die Lage dramatisch. Dort waren zu Ostern nur halb so viele Hotels geöffnet wie im vergangenen Jahr, und die Auslastung ging von 80 auf 60 Prozent zurück. Viele Hoteliers, die ihre Betriebe traditionell zum 1. Mai öffnen, wollen jetzt erst Anfang Juni aufmachen. Die Athener Industrie- und Handelskammer befürchtet, dass in der Tourismusbranche rund 100 000 Jobs auf der Kippe stehen.

Die Flaute im Fremdenverkehr hat mehrere Gründe. Neben der globalen Rezession spürt die griechische Tourismusbranche jetzt auch die Folgen der schweren Unruhen, die im Dezember viele griechische Städte erschütterten. Die dramatischen Fernsehbilder brennender Barrikaden, verwüsteter Geschäfte und abgefackelter Autos dürften viele Urlauber verschreckt haben. Hinzu kommen Wechselkursprobleme: Für die Briten, die mit rund drei Millionen Gästen im vergangenen Jahr die größte Gruppe der Griechenlandbesucher stellten, hat sich der Urlaub im Euro-Raum wegen des schwachen Pfundes erheblich verteuert. In der Branche rechnet man damit, dass die Zahl der Urlauber aus Großbritannien 2009 um ein Drittel einbrechen könnte. Die Buchungen in Deutschland, dem zweitwichtigsten Markt der Griechen, liegen bisher um 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Nikos Angelopoulos, Präsident des Verbandes der griechischen Touristikunternehmen, rechnet unter dem Strich mit drei Millionen weniger Touristen und Umsatzeinbußen von fünf Milliarden Euro.

Doch nicht nur die globale Krise macht der Branche zu schaffen. Einige Probleme sind auch hausgemacht. „Wir merken jetzt, dass wir gegen Rückschläge nicht gefeit sind und dringend handeln müssen“, sagte Tourismusminister Kostas Markopoulos kürzlich. Griechenland könne es sich nicht erlauben, den Massentourismus zu ignorieren. „Wir müssen bessere Qualität zu niedrigeren Preisen anbieten“, fordert der Minister.

Unter dem Druck der Krise haben die meisten Hoteliers ihre Preise bereits gesenkt. Selbst auf der Schickeria-Insel Mykonos sind viele Hotelzimmer in diesem Jahr 15 bis 20 Prozent billiger als im vergangenen Sommer. Auch die Regierung versucht zu helfen: Das Finanzministerium gewährt den Hotels Steuererleichterungen, die Arbeitsverwaltung subventioniert Löhne fürs Hotelpersonal, der Verkehrsminister hat die Landegebühren auf vielen Flughäfen gesenkt, wodurch sich die Tickets um zwölf Euro verbilligen sollen, und der griechische Tourismusminister Markopoulos hat seinen Werbeetat um 50 Prozent aufgestockt.

Alle Hoffnungen der Branche ruhen jetzt auf den Last-Minute-Reisenden. „Wer jetzt bucht, kann unglaublich günstige Angebote ergattern“, sagt Giorgos Drakopoulos vom Verband der Touristikunternehmen.Gerd Höhler

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