Tourismus : Mallorca wird teuer

Regierung verdoppelt Touristenabgabe. Die Gäste kommen trotzdem.

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Beliebt wie noch nie.
Beliebt wie noch nie.Foto: REUTERS

Der Mallorca-Urlaub wird immer teurer: Nachdem bereits die Hoteliers und Gastronomen die Preise in dieser Saison kräftig anhoben, will nun auch die Inselregierung bei den Urlaubern stärker abkassieren: Ein Jahr nach Einführung der Touristensteuer wurde eine Verdoppelung dieser Ferien-Sonderabgabe vereinbart, die im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Das beschloss die balearische Regionalregierung, in der Sozialisten und die linke Öko-Inselpartei Més den Ton angeben. Den neuen Tarifen zufolge bewegt sich die Fremdenverkehrsabgabe je nach Art und Standard des Quartiers in der Hauptsaison (Mai bis Oktober) künftig zwischen einem und vier Euro pro Tag und Person. Danach werden in einem Fünfsternehotel vier Euro täglich fällig, in einer Dreisterneherberge zwei und in einer einfachen Pension ein Euro. Die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen zahlen künftig zwei Euro – unabhängig davon, ob ihr Schiff nur wenige Stunden oder einen kompletten Tag im Hafen liegt.

Neuer Rekord: Elf Millionen Besucher

In der Nebensaison von November bis April kostet es nur die Hälfte. Zudem wird bei längeren Aufenthalten ab dem neunten Tag 50 Prozent Rabatt gewährt. Auf alle Tarife kommen noch zehn Prozent Mehrwertsteuer. Für Kinder unter 16 Jahren muss nichts bezahlt werden. Für eine vierköpfige Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern würden demzufolge für eine Woche Mallorca im Sommer zwischen 56 Euro in einem Luxushotel und 14 Euro in einer einfachen Herberge (plus Mehrwertsteuer) fällig.

Der Tourismus auf Mallorca boomt seit Jahren. In 2017 wird schon wieder ein Rekord erwartet. „Es gibt Spielraum für eine Anhebung“, sagte Francina Armengol, Regierungschefin der Balearischen Inseln, zu denen auch Mallorca gehört. Die Hoteliers, die von Beginn an gegen die Ferientaxe Sturm liefen, nannten die nun angekündigte Verdoppelung der Steuer „unheilvoll“. Auch wenn die Buchungszahlen seit Jahren positiv sind, warnt die Chefin des mallorquinischen Hotelverbandes, Inma Benito: „Die Steuer hat eine abschreckende Wirkung.“

Die Ferienabgabe war im Sommer 2016 eingeführt worden. Sie ist vergleichbar mit der Bettensteuer oder Kurtaxe, die in vielen europäischen Urlaubsorten und Städten erhoben wird. Verantwortlich für die Einziehung sind Hoteliers und private Vermieter, die die Einnahmen dann ans Finanzamt weiterleiten.

Keine freien Betten mehr auf Mallorca

Die Inselpolitiker fühlen sich in ihrem Steuerplan dadurch ermutigt, dass die Erfahrungen mit der Erholungstaxe gut sind und der große Protest der Urlauber ausgeblieben ist. Ausländische Gäste, welche ähnliche Extraabgaben schon aus ihren Heimatländern kennen, zahlten klaglos, heißt es von der Reisebranche. Nur spanische Urlauber, für die diese Art der Sondersteuer noch relativ neu ist, würden sich zuweilen beschweren. Eine bremsende Wirkung auf den Tourismus, wie von den Hoteliers immer wieder befürchtete, ist jedenfalls nicht feststellbar: Die Urlauberzahlen auf Mallorca wachsen zweistellig. Bis Ende 2017 werden mehr als elf Millionen Besucher erwartet. In diesem zu Ende gehenden Sommer gab es keine freien Betten mehr. Vielen Einheimischen wird es mit dem Massentourismus, der Verkehrs- und Umweltprobleme mit sich bringt, schon zu viel.

Die Extra-Steuereinnahmen im Balearen-Urlaubsparadies wurden übrigens bisher auf mehr als 60 Millionen Euro im Jahr geschätzt, nach der Erhöhung könnten also mehr als 120 Millionen jährlich in die Kasse fließen. Dieses Geld soll in den Umweltschutz, die Verbesserung der Trinkwasserversorgung und den Ausbau der touristischen Infrastruktur gesteckt werden. Investitionen, die dringend notwendig seien und den Urlaubern, so wirbt die Inselregierung, wieder zugute kommen sollen.

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