Wirtschaft : Tourismusbranche: Ferien aus einer Hand

Martina Ohm

Hat da jemand von Mallorca-Müdigkeit gesprochen? Die Tatsache, dass die Buchungszahlen dieses Jahr nicht ganz den Erwartungen entsprechen dürften, sollte nicht zu falschen Schlussfolgerungen führen. Europas Reiseveranstalter jedenfalls lassen sich nicht beirren. Nach britischem Muster basteln die drei großen der Branche in Deutschland zurzeit am Aufbau ihrer Touristik-Imperien, die den Urlaubern alles aus einer Hand bieten können: vom Flug über die Unterkunft bis hin zum Mietwagen und zur maßgeschneiderten Reiseversicherung. Dahinter steht die Erkenntnis, dass nur die Aufstellung als so genannter vertikal integrierter Konzern auf Dauer ein lukratives Geschäft verspricht. Unter den drei führenden deutschen Konzernen Preussag, C & N und Rewe hält der Ableger der WestLB, die Preussag, mit Vorsprung den Spitzenplatz. Preussag, einst ein industrieller Gemischtwarenladen, gilt heute als beispielhaft dafür, wie der Umbau zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen gelingen kann. In absehbarer Zeit wird Preussag schon 80 Prozent seiner Aktivitäten im Tourismusgeschäft erwirtschaften. Der Rest entfällt im Großen und Ganzen auf Logistik. Eben erst sicherte sich Preussag-Chef Michael Frenzel mit Thomson Travel eine erste Adresse in Großbritannien, nun wird Preussag Partner des größten Veranstalters in Frankreich. Zwar liegt der Anteil des französischen Marktes am europäischen Reisemarkt bei nur knapp zehn Prozent, doch gilt der Pauschaltourmismus in Frankreich mit nur 25 Prozent gegenüber rund 50 Prozent in Deutschland als ausbaufähig und verspricht damit Wachstum. Preussag hat sich also den richtigen Markt ausgesucht.

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