Toyota : Wenn das Gaspedal klemmt

Toyota muss auch in Europa defekte Autos zurückrufen. Davon will General Motors auf dem US-Markt profitieren.

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Zwangspause. In den USA stoppte Toyota den Verkauf von Millionen Autos. Betroffen ist die halbe Produktpalette – auch das Modell...X90051

Berlin - Toyota muss auch in Europa Autos mit defekten Gaspedalen zurückrufen. Die Pannenserie des weltgrößten Autoproduzenten, der bislang für seine Zuverlässigkeit bekannt war, nimmt damit immer größere Ausmaße an. Wegen der möglicherweise blockierenden Gaspedale mussten die Japaner in den USA bereits Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt zurückrufen. Dort ist etwa die Hälfte der Modellpalette betroffen, darunter der Verkaufsschlager Corolla. Experten rechen mit Millionenverlusten jeden Tag.

In Deutschland und auf dem übrigen europäischen Markt plant Toyota Ähnliches: „Es wird einen Rückruf geben, das steht fest“, sagte eine Toyota-Sprecherin am Donnerstag. Die Rückrufaktion sei aber noch nicht angelaufen, „weil wir noch immer keine Klarheit haben.“ Es werde weiter geprüft, in welchen Modellen die problematischen Pedale des US- Zulieferers CTS eingebaut seien und um welche Produktionsjahre und Stückzahlen es gehe. Nach japanischen Medienberichten könnten europaweit in zwei Millionen Autos die fehlerhaften Gaspedale stecken. In Europa ist Toyota auf fast allen Märkten vertreten und hat dort 2009 insgesamt gut 882 350 Fahrzeuge verkauft, davon knapp 138 500 in Deutschland. In den USA waren es 1,8 Millionen.

Dort waren vor einigen Tagen Verkauf und Produktion von acht Modellen mehrerer Baujahre gestoppt worden. Rund 2,3 Millionen Fahrzeuge der Baujahre 2005 bis 2010 wurden wegen der klemmenden Gaspedale zurückgerufen. Noch dazu rief Toyota erst am Mittwoch weitere 1,1 Millionen Kunden auf, ihre Autos in die Werkstatt zu bringen, weil sich Fußmatten und Pedale zu verkeilen drohten. Deswegen waren bereits 2009 mehr als vier Millionen Fahrzeuge zurückgerufen worden. In einigen Modellen treten die zwei Defekte parallel auf.

Auch die US-Rivalen General Motors (GM) und Ford sind offenbar in Mitleidenschaft gezogen. Der auf Toyota-Technik basierende Kompaktwagen Pontiac Vibe muss ebenfalls zur Reparatur. Ford muss Teile seiner Produktion wegen Problemen mit Gaspedalen stoppen, die vom gleichen Lieferanten wie bei Toyota stammen. Teile der Nutzfahrzeug-Fertigung in China seien vorübergehend unterbrochen worden, sagte ein Ford-Sprecher.

GM und Toyota liefern sich ein Kopf- an-Kopf-Rennen um die globale Marktführerschaft, das Toyota 2009 knapp für sich entscheiden konnte. Auf dem US-Markt kämpfen die Japaner aber mit sinkenden Verkaufszahlen. GM gibt sich nach überstandener Insolvenz selbstbewusst. Aus den aktuellen Problemen von Toyota versucht der US-Konzern Kapital zu schlagen: GM bietet Fahrern von Autos des japanischen Wettbewerbers für einen Markenwechsel eine günstige Finanzierung an. So werden bis Ende Februar 1000 Dollar Rabatt gewährt oder eine zinsfreie Finanzierung über 60 Monate angeboten.

Die Toyota-Sprecherin sagte, der Hersteller baue Gaspedale von mehreren Zulieferern ein, aber nur die Pedale des US- Herstellers könnten möglicherweise blockieren. Obwohl die in Europa verkauften Fahrzeuge fast alle auch in Europa produziert werden – in Frankreich, England, Tschechien und Polen – prüft das Unternehmen auch, ob in diesen Wagen die unsicheren Pedale eingebaut worden sein könnten. „Es gibt aber keine Pläne und keine Notwendigkeit, auch in Europa die Produktion zu stoppen“, hieß es.

 US-Medien berichteten bereits über Unfälle, in mindestens einem Fall auch mit tödlichem Ausgang. Laut „US Today“ haben sich mittlerweile rund 100 Fahrer an die zuständige US-Behörde für Verkehrssicherheit gewandt und über klemmende oder verkeilte Gaspedale berichtet. Toyota selbst spricht von Einzelfällen. Der Zulieferer CTS wies jede Schuld von sich. mit dpa/AFP

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