Wirtschaft : Transatlantischer Kraftakt

ALFONS FRESE

Durch große Bescheidenheit pflegt Jürgen Schrempp nicht aufzufallen.Von einer "Hochzeit im Himmel" hatte der Daimler-Benz-Chef im vergangenen Mai gesprochen, als er die Fusion mit Chrysler bekanntgab.Jetzt, bei der ersten Bilanzvorlage des transatlantischen Unternehmens, legte er nach: "Wir definieren die Spielregeln unserer Industrie weltweit", reklamiert Schrempp die Führung in der Autoindustrie.Zu starken Worten haben die DaimlerChrysler-Führer allen Grund: Die fusionsbedingten Aufwendungen im dreistelligen Millionenbereich wurden locker weggesteckt, fast alle Geschäftsfelder haben Rekordzahlen bei Umsatz und Ergebnis erreicht.

Doch trotz großer Worte und stolzer Zahlen dürfte in die Zentralen von Stuttgart und Auburn Hills nicht der Größenwahn einziehen.In erstaunlicher Offenheit haben Schrempp und sein Kollege Robert Eaton die Schwierigkeiten eingeräumt, die in der Integration von zwei riesigen Konzerne liegen.Von permanenten Mehrbelastungen ist die Rede.Vor diesem Hintergrund wird auch die geplatzte Teilübernahme des japanischen Fahrzeugherstellers Nissan verständlich.Nicht der hohe finanzielle Aufwand hat die Deutschamerikaner abgeschreckt, die doch so gern auf dem asiatischen Nutzfahrzeugmarkt Gas geben wollen, sondern der erwartete Managementaufwand.DaimlerChrysler hätte Dutzende Führungskräfte nach Tokio schicken müssen, Manager, die dringend für das transatlantische Zusammenwachsen gebraucht werden.Denn das können die glänzenden Zahlen nicht verdecken: Für eine dauerhaft erfolgreiche Partnerschaft müssen die beiden noch viel Zeit und Kraft investieren.

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