Wirtschaft : Transrapid: Die Magnetbahn soll auch in Deutschland schweben

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Die Entscheidung Chinas zum Bau der Transrapid-Strecke in Schanghai bringt die Diskussion über Referenzstrecken in Deutschland wieder in Schwung. Nordrhein-Westfalen und Bayern pochten am Montag auf eine rasche Einigung. "Eine Entscheidung muss spätestens im Jahr 2002 fallen, sonst geben wir uns der Lächerlichkeit preis", sagte Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold (SPD). Wissenschaftler meldeten hingegen Zweifel an.

"Die Entscheidung in China ist noch keine Empfehlung für Deutschland", sagte Peter Kirchhoff, Leiter des Instituts für Verkehrs- und Stadtplanung der Universität München und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesverkehrsminister, dem Tagesspiegel. Vor allem wegen der hier zu Lande vorhandenen Alternativen, wie ICE oder S-Bahn, müsse die Wirtschaftlichkeit einer zusätzlichen Transrapid-Verbindung "stark in Zweifel gezogen werden." Kirchhoff: "Wir brauchen den Transrapid eigentlich nicht."

Die Bundesregierung hatte nach dem endgültigen Aus für das Transrapid-Projekt Hamburg-Berlin zugesagt, insgesamt 5,1 Milliarden Mark für mögliche Alternativen in Deutschland bereitzustellen. In die engere Wahl gekommen sind nun die 37 Kilometer lange Verbindung vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen, die nach bisherigen Schätzungen etwa 2,9 Milliarden Mark kosten würde, sowie der von Nordrhein-Westfalen vorgeschlagene "Metrorapid", eine knapp 80 Kilometer lange Strecke von Dortmund über Bochum und Essen nach Düsseldorf. Die Kosten dieses Projekts wurden in ersten Voruntersuchungen mit 7,2 Milliarden Mark beziffert. In den nächsten Tagen, verlautete aus Berlin, würde die Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Eine Entscheidung soll im Jahr 2002 fallen.

Im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium sieht man in der Entscheidung in China nun einen zusätzlichen Grund, die Entwicklung in Deutschland voranzutreiben. Der erste konkrete Auftrag werde das internationale Interesse an der deutschen Magnetbahn beflügeln, sagte Ministeriumssprecher Karl-Alois Bläser. "Es wäre unzumutbar, Interessenten zu Testfahrten nach China schicken zu müssen." Laut Bläser könnten beide Strecken in Deutschland realisiert werden. Über eine Kofinanzierung der Länder werde man sprechen, "wenn die endgültigen Zahlen auf dem Tisch liegen". Möglicherweise ließen sich für die Projekte auch private Investoren gewinnen.

Im Werk Kassel von Thyssen-Krupp, wo der Transrapid gebaut wird, wurde die Nachricht aus China mit Jubel aufgenommen. Nach dem Aus für das Projekt Berlin-Hamburg waren hier 100 der einst 250 Arbeitsplätze abgebaut worden. Hendrik Jordan, Vorsitzender des Betriebsrates, sagte am Montag, er rechne nun mit 300 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Doch müsse man abwarten, "welches Auftragsvolumen nun wirklich nach Deutschland kommt". Die Details des Vertrages sollen am heutigen Dienstag bei der Unterzeichnung in Peking bekannt gegeben werden.

Entgegen den Angaben vom Sonntag wird die Bundesregierung das Projekt in Schanghai mit 200 Millionen Mark unterstützen. Der Betrag werde je zur Hälfte dem Konsortium Thyssen-Krupp und Siemens sowie der Gruppe mittelständischer Firmen, die am Bau des Fahrwegs beteiligt sind, zufließen, verlautete aus dem Finanzministerium. Diese Zusage sei bereits vor Monaten erfolgt.

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