Wirtschaft : Transrapid ist Trumpf

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Von Dieter Fockenbrock

Die Chinesen sind gute Geschäftsleute – Kommunismus hin, Staatswirtschaft her. Beim Technologieprojekt Transrapid haben sie einige Trümpfe in der Hand. Die deutschen Erfinder, Entwickler und Erbauer des superschnellen Zuges, haben das schon schmerzhaft bei der gerade mit viel Politprominenz eröffneten Strecke in Shanghai gespürt. Genaue Zahlen decken Siemens und ThyssenKrupp zwar nicht auf. Doch ist klar, dass die ersten 30 Transrapid-Kilometer im Echtbetrieb kein gutes Geschäft waren – außer für die Auftraggeber.

Die Chinesen werden den nächsten Trumpf ziehen wenn es – wie angekündigt – um Verhandlungen über weitere bis zu 300 Streckenkilometer gehen wird. Denn noch immer steht eine Referenzstrecke in Deutschland in den Sternen. Und die, sagt jedenfalls das Industriekonsortium, werde unbedingt gebraucht, um den Transrapid zu einem echten Exportschlager zu machen. Die chinesischen Auftraggeber können also in Ruhe abwarten: Kommen der geplante Metrorapid im Ruhrgebiet oder die Flughafenverbindung in München nicht, bleibt China der weltweite Vorzeigemarkt für die Magnet-Antriebstechnik. Dann lässt es sich viel leichter um Konditionen pokern. Peking hat schon jetzt klar gemacht, dass das Reich der Mitte mehr will als komplett montierte Superzüge aus Germany zu importieren. China will selbst den Transrapid fertigen, zumindest Teile davon – erst einmal.

Schon geht ein Aufschrei durch die deutschen Lande: Es drohe der Ausverkauf deutschen Know-hows. Und die Industrie wettert: Das kommt davon, wenn man sich gegen eine Referenzstrecke im eigenen Lande wehrt. Das alles ist reine Demagogie. Denn wäre es so, hätte der Exportweltmeister Deutschland schon mehrfach seine Spitzentechnik verraten und verkauft. Es gibt doch Schutzrechte und technischen Vorsprung. So wird garantiert, dass Blaupausen – trotz ihres Namens – nicht einfach kopiert werden können. Das hohe Interesse der Chinesen am Transrapid ist die Chance, deutsche Spitzentechnik weltweit vermarktungsfähig zu machen. Den letzten und besten Trumpf haben immer noch Siemens und Thyssen-Krupp.

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