Wirtschaft : Triebwerke-Markt: MTU soll mit Fiat Aivo verflochten werden

tmh

Der zum Stuttgarter Daimler-Chrysler-Konzern zählende Jettriebwerkhersteller MTU Aero Engines GmbH, München, steht offenbar vor einer Verflechtung mit seinem italienischen Konkurrenten Fiat Avio. Einen Kommentar zu Zeitungsmeldungen, MTU solle an Fiat verkauft werden, lehnten zwar die Beteiligten in München und Stuttgart auf Anfrage ab. MTU-Chef Klaus Steffens hatte Fiat Avio aber zuletzt als Wunschpartner für sein Ziel genannt, in der Branche zu einem europäischen Schulterschluss zu kommen. Dass dies über den Weg eines Verkaufs von MTU an Fiat geschieht, gilt unter Experten jedoch als unwahrscheinlich. Sie rechnen vielmehr mit einer engen Kooperation oder Fusion der weltweiten Nummer fünf (MTU) mit der Nummer sechs (Fiat) im globalen Triebwerkgeschäft.

Ein Verkauf oder Börsengang von MTU stehe nicht an, hatten jedenfalls Steffens und die Stuttgarter MTU-Mutter zuletzt immer wieder betont. Dagegen will die Tageszeitung "Die Welt" von bereits weit fortgeschrittenen Verkaufsgesprächen erfahren haben. Daimler-Chrysler und Fiat würden derzeit über den Preis für MTU verhandeln. Anfang dieses Jahres waren bereits Gerüchte über eine Verbindung von MTU mit Frankreichs Snecma aufgekommen. Diese Variante der europäischen Zusammenarbeit scheitert an den transatlantischen Bündnissen beider Triebwerkbauer. MTU ist strategisch eng mit dem US-Konzern Pratt & Whitney im zivilen Geschäft verbunden, Snecma mit dem weltweiten Branchenführer General Electric (GE). Bei einem Zusammengehen von MTU und Snecma hätte einer von beiden das auf seinen US-Partner entfallende Geschäft verloren und damit große Teile des eigenen Auftragsvolumens.

Diese Gefahr besteht bei einer engen Kooperation von MTU und Fiat Avio nicht, meinen Branchenkenner. Die Italiener haben sich mit keiner der beiden US-Konzerne exklusiv verbandelt und könnten von daher ohne Reibungsverluste mit den Deutschen zusammenarbeiten. Mit dem Bau ziviler und militärischer Triebwerke sowie deren Wartung bearbeiten die beiden potenziellen Partner zudem deckungsgleiche Geschäftsfelder. Ohne Auswirkungen bliebe eine deutsch-italienische Partnerschaft zudem im Triebwerkgeschäft auf den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, an dem Daimler-Chrysler knapp 31 Prozent hält. Denn MTU ist seit der vorjährigen Gründung von EADS direkt an Daimler-Chrysler angegliedert und kein Bestandteil der EADS oder deren Airbus-Gesellschaft. Das entspricht internationalen Gepflogenheiten. Kein Flugzeugbauer, weder Boeing noch Airbus, besitzt einen eigenen Triebwerkhersteller. Traditionell sind beide Geschäfte voneinander getrennt. Den Triebwerkbau dominiert GE vor Pratt & Whitney und Rolls-Royce Plc. Danach folgen Snecma, MTU und Fiat Avio.

0 Kommentare

Neuester Kommentar