Wirtschaft : Trotz Eurofighter keine Euphorie

Bei der Dasa scheint man nicht sicher, wieviele Arbeitsplätze neu geschaffen werden

MÜNCHEN (tmh).Die Daimler-Benz Aerospace (Dasa) AG, München, schwelgt in leiser Freude.Von großer Erleichterung ist überraschend wenig zu spüren angesichts des erfolgreichen Überlebenskampfes der deutschen Militärluftfahrt.Dazu wurde das Projekt Eurofighter zuletzt zu hochstilisiert, für dessen Serienphase das Bonner Kabinett Mitte Juli endlich Gelder im Bundeshaushalt 1998 bewilligt hat.Vielleicht ist die Luft- und Raumfahrttochter des Daimler-Konzerns auch nur vorsichtig geworden.Noch stehe die parlamentarische Billigung aus, dämpft Dasa-Sprecher Wolfram Wolff jede Euphorie.Mit der Zustimmung des Parlaments rechnet Dasa im November 1997.Bis dahin gibt es wohl keine offizielle Erleichterung."Zu 80 Prozent ist es geschafft," sagt Peter Meinck deutlich optimistischer.Er ist Sprecher des Arbeitskreises Betriebsräte in Wehrtechnik, Luft- und Raumfahrt (WLR).Resthürden sieht er bei der FDP und in Teilen der CDU.Letzlich ist der Betriebsrat nach seinem jüngsten Besuch in Bonn zuversichtlich, daß im Januar 1998 die Verträge zur Serienfertigung des Jägers mit der Industrie unterzeichnet werden. 18 000 deutsche Arbeitsplätze hängen am Eurofighter, hatten Dasa und WLR immer wieder vorgerechnet.Rund 3500 Frauen und Männer arbeiten bei der Dasa und etwa 100 Mittelständlern derzeit daran, schätzt die WLR.Gut 14 000 Stellen müßten also noch entstehen.Auch in diesem Punkt wirkt Wolff nicht euphorisch.Etwa um das Jahr 2005 würden diese Beschäftigungszahlen kommen und auch nur in der Spitze.Maximal 8000 Stellen entfielen auf die Dasa.Zudem würden zumindest dort nicht alle Arbeitsplätze neu geschaffen, sondern auch Stellen von anderen Projekten überführt.Erste Neueinstellungen könne es 1998 oder 1999 geben. Als noch vor wenigen Wochen intensiv die Werbetrommel für den Jet geschlagen wurde, klang das anders.Meinck glaubt heute noch, daß die fehlenden 14 000 Stellen geschaffen werden.Er rechnet mit einem Beschäftigungshöchststand 1999/2000.Das berge Probleme.Auch in einem Heer Arbeitsloser seiem hochspezialisierte Techniker rar.Den Zeitplan sieht weder er noch Wolff in Gefahr.2001 sollen die ersten der insgesamt 620 Maschinen ausgeliefert werden.180 Stück gehen an Deutschland zum Preis von 23 Mrd.DM, knapp 130 Mill.DM pro Jet.Dasa hegt auch Export-Hoffnungen.Interesse zeigen Norwegen, Australien und die Vereinigten Arabischen Emirate, weiß Wolff. Die Zukunft des Militärflugzeugbaus in Deutschland scheint für mindestens die nächsten eineinhalb Jahrzehnte gerettet.Darüber hinaus bleibt der technische "Spin off".Ein technisches Highlight des Projekts sei die Verwendung kohlefaserverstärkter Kunststoffe, die Metall als Werkstoff ersetzen, sagt Wolff.Der Eurofighter sei "Weltmeister in der Anwendung dieser neuen Materialien".Die neuen Werkstoffe seien um die Hälfte leichter, fester, elastischer und langlebiger als Metall.Wenn sie sich beim Militärjet bewähren könnten neben dem Airbus auch ein ICE oder Autos daraus gebaut werden.Weitere zivile Anwendungen liefere die im Jäger verwendete Computertechnik, die auf Lichtwellenleitern basiere und Drähte ersetze.Brauchbar sei das wiederum für den Airbus sowie für Kraftwerke.In der Hydraulik gebe es Abstrahleffekte etwa für Baumaschinen und die automatische Spracherkennung für Eurofighter-Piloten sei ebenfalls ein Technologietreiber. Für die Industrie scheint der Kampf um den Eurofighter erfolgreich.Ob das auch für die Arbeitsplätze gilt, wird die Zukunft zeigen.Unter dem Druck von Fusionen in den USA muß Europas Industrie auch im militärischen Flugzeugbau zusammenrücken.Die sechs Militärjetbauer British Aerospace (BAe), Dassault, Dasa, Saab, Alenia und Casa müssen sich vereinen, um konkurrenzfähig zu sein, erwartet die Dasa.Das Dach könnte eine künftige Airbus AG sein.Dann muß sich die Dasa der Führungsrolle stellen, die BAe im Militärflugzeugbau beansprucht.Ob sich die Briten zugunsten deutscher Arbeitsplätze erweichen lassen, dürfte allerdings fraglich sein.

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