Wirtschaft : Trotz GM-Krise – Opel sieht sich auf gutem Wege

Amerikanische Mutter in schwerer Lage: Überkapazitäten und Kosten für Krankenversicherung gefährden General Motors

Alfons Frese,Walter Pfaeffle

New York/Berlin - Die Krise bei General Motors (GM) hat erst mal keine Auswirkung auf die deutsche Tochter Opel. Wie es am Freitag bei Opel hieß, konzentriert man sich auf die Umsetzung des eigenen Sanierungsplans und freut sich über steigende Marktanteile in Europa. Am Donnerstag hatte, wie berichtet, die Ratingagentur Standard&Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit von GM und Ford herabgestuft. In der Konsequenz müssen die stark verschuldeten Konzerne künftig höhere Zinsen zahlen und sind bei der Aufnahme neuer Kredite eingeschränkt (siehe nebenstehenden Kasten).

Obwohl es bei S&P hieß, „das Rating von Daimler-Chrysler sehen wir nicht als gefährdet an“, notierte die Aktie am Freitag deutlich schwächer als BMW und VW. Kürzlich hatte Chrysler-Chef Dieter Zetsche im Tagesspiegel-Interview gesagt, „es gibt immer noch viele Beobachter, die von den Big Three sprechen und uns also mit GM und Ford in einen Topf werfen.“

GM und Ford stecken seit längerem in der Krise. Mitte April hatte GM-Chef Rick Wagoner einen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar für das erste Quartal verkündet und die Gewinnprognose für das gesamte Jahr halbiert. Ford verdiente im ersten Quartal zwar immerhin noch 1,2 Milliarden Dollar, reduzierte aber ebenfalls die Gewinnprognose. Beim aktuellen Rating stufte S&P Ford zwar auch niedriger ein, aber immerhin noch eine Stufe besser als GM.

In der Begründung äußerte S&P Zweifel am Erfolg der Strategien beider Konzerne, insbesondere ihrer Abhängigkeit von Geländewagen (SUVs), die wegen der hohen Spritpreise Absatzprobleme haben. „Ein Produktsegment, das seit einem Jahrzehnt den höchsten Gewinn erwirtschaftet, zeigt rückläufige Umsätze“, sagte S&P-Analyst Scott Sprinzen. Bei GM schrumpfte der Umsatz im SUV-Segment zuletzt zweistellig. Die Herabsetzung durch die Ratingagentur verteuert die Kapitalkosten der Autokonzerne. Bereits 2004 waren bei GM in Folge von vorausgegangenen Herabstufungen die Kreditkosten um 26 Prozent auf knapp zwölf Milliarden Euro und damit deutlich schneller als die Schuldenlast (plus elf Prozent) gestiegen. Der Schuldenstand von GM beträgt 291,8 Milliarden Dollar und bei Ford 161,3 Milliarden Dollar.

Trotz der sich verschärfenden Situation sehen Fachleute weder GM und schon gar nicht Ford in Konkursgefahr. S&P-Mitarbeiter Sprinzen verwies auf die hohen Barbestände beider Unternehmen – 20 Milliarden Dollar hat GM in der Kasse, bei Ford sind es 19 Milliarden Dollar. Beide verfügen außerdem über Kreditlinien in Milliardenhöhe. Ferner wird zum Beispiel bei GM der Wert des Hypotheken- und Versicherungsgeschäfts auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Autohersteller leiden in den USA unter der Konkurrenz japanischer und koreanischer Hersteller, die auf dem größten Automarkt der Welt zunehmend Kunden gewinnen. Parallel dazu rutschte zum Beispiel der Marktanteil von GM in den letzten zehn Jahren von 33 auf heute noch knapp 25 Prozent. Sinkt dieser Anteil auf 20 Prozent, würde das der Investmentbank Merrill Lynch zufolge einen zusätzlichen Verlust von 4,5 Milliarden Dollar im Jahr bedeuten. Anders als Ford und GM hat Chrysler zuletzt Boden gut gemacht und den Marktanteil auf 12,8 Prozent (2003: 12,5 Prozent) erhöht, da einige neue Modelle (Chrysler 300) hervorragend ankamen.

Gemeinsam leiden die „Big Three“ unter enormen Aufwendungen für Krankenversicherungen und Pensionsverpflichtungen; bei jedem Auto macht das bei GM rund 1600 Dollar aus. Allein die Krankenversicherung kostet GM 5,6 Milliarden Euro im Jahr. Die entsprechenden Verträge mit der Gewerkschaft laufen erst in zwei Jahren aus, sodass kurzfristig kaum Entlastung zu erwarten ist. Erschwerend hinzu kommen Überkapazitäten, die bei GM auf bis zu 20 Prozent oder eine Million Fahrzeuge in den USA geschätzt werden. Um die Kapazitäten der Nachfrage anzupassen, müssten vier oder fünf Fabriken geschlossen und rund 20000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Anders als in den USA ist in Deutschland Kapazitätsabbau und Sanierung beschlossene Sache, knapp 10000 Arbeitsplätze fallen bei Opel weg. Gleichzeitig gewinnt Opel wieder Marktanteile. In Westeuropa erhöhte sich der Wert im ersten Quartal von 8,9 auf 9,3 Prozent und auch in Deutschland geht es vor allem wegen der Modelle Astra und Meriva wieder aufwärts.

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