Trüber Ausblick : Jedes vierte Unternehmen plant Stellenabbau

Vor allem die Industrie wird vorsichtiger. Die Zahl der Firmen, die einen Rückgang der Produktion erwarten, steigt.

Berlin - Der Konjunkturabschwung bei den EU-Nachbarn könnte bald auch den deutschen Arbeitsmarkt treffen. 28 Prozent der deutschen Unternehmen planen nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im kommenden Jahr einen Stellenabbau.

Lediglich 20 Prozent wollen neue Arbeitsplätze schaffen, die übrigen erwarten eine stabile Personalzahl, wie das Institut am Montag berichtete. „Die insgesamt negativen Beschäftigungsaussichten in Deutschland zeigen sich in allen Wirtschaftsbereichen“, sagte IW-Direktor Michael Hüther in Berlin.

Sinkende Exportaussichten führten vor allem in der Industrie zu vorsichtiger Planung. In diesem Sektor erwartete gut 30 Prozent der Unternehmen im Jahr 2013 weniger Arbeitsplätze. Besser sehe es bei den Dienstleistern aus. Dort wollten zwar 27 Prozent Stellen abbauen, aber immerhin 23 Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigen, sagte Hüther.

Die deutsche Wirtschaft bewegt sich nach seinen Worten derzeit „am Rand der Stagnation“. Erstmals seit dem Frühjahr 2009 erwarten laut Umfrage mehr Firmen für das kommende Jahr einen Rückgang der Produktion als einen Anstieg. 24 Prozent rechnen mit einem Plus, 28 Prozent mit einem Minus und 48 Prozent mit gleichbleibenden Werten.

Das IW geht für 2013 von 0,75 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland aus. „Das gilt unter der Grundannahme, dass die Staatsschuldenkrise in Europa nicht eskaliert“, sagte Hüther. Die Umfrageergebnisse zeigten eine „sehr große Verunsicherung“. Während die Unternehmen die momentane Lage durchweg positiv beurteilten, hätten sie ihre Erwartungen deutlich gesenkt.

Dementsprechend wollen 28 Prozent der befragten Firmen im nächsten Jahr weniger investieren und nur 23 Prozent mehr. Das größte Kopfzerbrechen bereitet den Unternehmen laut Umfrage die unsichere Absatzlage im Euroraum. 56 Prozent der Firmen, die wegen der Schuldenkrise weniger investieren wollen, nannten dies als Grund.

An der Herbstumfrage des arbeitgebernahen IW beteiligten sich rund 2300 Unternehmen.

Auch die Bundesbank rechnet nicht mit einer baldigen Aufhellung der Aussichten für die deutsche Wirtschaft. Die Konjunkturentwicklung sei „gegenwärtig von einem durchwachsenen Gesamtbild geprägt, das sich zum Jahresende hin aller Voraussicht nach weiter eintrüben dürfte“, schreiben die Ökonomen der Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. dpa/dapd