Trump und die Folgen : Audi hat Angst um Mexiko

Der Nachbar der USA ist der viertgrößte Autoproduzent der Welt. Auch US-Hersteller nutzen die billigen Arbeitskräfte in dem Land, das Donald Trump mit einer Mauer abgrenzen will.

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Audi made in Mexiko: Die Volkswagen-Tochter hat erst kürzlich ein neues Werk für den Q5 eröffnet.
Audi made in Mexiko: Die Volkswagen-Tochter hat erst kürzlich ein neues Werk für den Q5 eröffnet.Foto: Audi

Erst vor einigen Wochen eröffnete Audi mit Pomp und Prunk in Mexiko sein neues Werk, in dem der Q5 produziert wird. Und auf Audi wollen in den kommenden Monaten BMW, Nissan, Ford, Daimler und Toyota folgen. Es schien lange so, als werde sich Mexiko mit seinen billigen Löhnen und zwölf Freihandelsverträgen in eine Fertigungsplattform vor allem für die USA verwandeln. Die mexikanische Regierung träumte davon, nun endlich die Dividende aus dem 1994 mit den USA und Kanada geschlossenen Freihandelsabkommen (Nafta) zu kassieren und das Land in die Riege der Industrieländer zu katapultieren. 77 Prozent der in Mexiko gebauten Autos gehen in die USA. Das Land ist der viertgrößte Autoproduzent weltweit. Doch dann kamen Donald Trump und sein Versprechen, eine Grenzmauer zu ziehen, Nafta aufzuschnüren und mit Strafzöllen den Abfluss US-amerikanischer Investitionen zu verhindern. Jetzt herrscht Panik unter den Autobauern.

Audi will jedes Jahr 150 000 Q5 bauen

„Wir wollen nicht spekulieren, aber beobachten die Entwicklung nach der US-Wahl natürlich sehr genau“, sagte Julio Schubeck, der Leiter für Kommunikation bei Audi in Mexiko. Dennoch halte das Unternehmen, das zum Volkswagen-Konzern gehört, an seinen Plänen fest, am neuen Standort in San José Chiapa pro Jahr 150 000 Q5 für den Weltmarkt zu produzieren. Rund ein Drittel davon sind für den nordamerikanischen Markt vorgesehen. „Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sprechen für Mexiko. Eine günstige Kostenstruktur, zahlreiche Freihandelsabkommen, qualifiziertes Personal, kürzere Lieferzeiten und große Flexibilität“, nannte Schubeck als Standortvorteile Mexikos. Audi, so der Sprecher, setze sich weltweit für den Abbau von Handelsbarrieren ein. Genau die will Trump aber wieder aufbauen.

Trump verschreckt auch die US-Hersteller

Zehn Tage nach seiner Wahl sorgte ein Tweet von Trump für Aufregung in der Branche. Er habe verhindert, dass Ford die Produktion des Modells Lincoln nach Mexiko verlege, brüstete sich Trump. Das Unternehmen hüllte sich in Schweigen – wie die gesamte, verschreckte US-Autoindustrie. Zehn der 32 Auto- und Zuliefererfabriken in Mexiko gehören US-Konzernen. Ob Trumps „Sieg“ über Ford ein solcher ist, muss sich erst noch zeigen: Ursprünglich sollte der Lincoln nach Mexiko verlegt werden, um im Werk in Kentucky mehr Ford Escape zu produzieren. Das Ganze kann also ausgehen wie das Hornberger Schießen – für den Konzern, die Regierung, die Arbeiter und die Konsumenten. Und dennoch: Die mexikanische Regierung wird alles versuchen, um die Autoindustrie zu verteidigen. Auf der Kippe stehen schließlich nicht nur eine langfristig entwickelte Strategie sondern auch mehr als eine Million Arbeitsplätze.

45 Milliarden Dollar wurden in Mexiko investiert

Was genau Trump vorhat, ist noch unklar. Nicht alles muss negativ sein für die Branche. Zum einen erhofft sich die Autoindustrie von Trump weniger strenge Grenzwerte bei den Emissionen. Trump könnte zudem beim Nachverhandeln von Nafta den Anteil der regional gefertigten Zuliefererteile erhöhen. Laut Nafta müssen bislang mindestens 62,5 Prozent aller in Fahrzeugen verbauten Teile aus Nafta-Ländern stammen. Das wäre nicht unbedingt dramatisch, sondern könnte sogar noch weitere Zuliefererbetriebe nach Mexiko locken. Dramatischer wäre, wenn Trump die angekündigten Strafzölle Wirklichkeit werden ließe. „Die Zollfreiheit war der Schlüssel für die Entwicklung Mexikos zum Automobilstandort“, gibt der auf die Autoindustrie spezialisierte Anwalt Manuel Padron zu bedenken. Seit 1994 haben sich die mexikanischen Autoexporte in die USA verdreifacht; mehr als 45 Milliarden Dollar an Investitionen sind in die Branche geflossen. Zwischen beiden Ländern hat sich eine komplexe Arbeitsteilung etabliert – manches wird in den USA vorproduziert und dann in Mexiko verbaut. Während in Mexiko eher einfache Kompaktautos montiert werden, sind die Luxusmodelle in den USA verblieben.

Ohne Mexiko wären die Autos in den USA viel teurer

Solche Produktionsketten zu zerschlagen, wäre auch für die US-Autoindustrie, die ohne mexikanische Löhne nicht wettbewerbsfähig wäre, ein Todesurteil, meinen Spezialisten. Ein 35-prozentiger Strafzoll würde im Falle von Ford zu zusätzlichen Abgaben von 2,8 Milliarden Dollar jährlich führen, hat CNN Money errechnet – das sei mehr als ein Quartalsgewinn des Unternehmens. Doch noch entscheidender wird sein, ob US-Konsumenten bereit sind, im Schnitt 3000 Dollar mehr pro Auto zu zahlen – das wäre der Aufpreis für eine rein US-amerikanische Produktion.

Goodyear baut gerade eine neue Fabrik

Nichts werde so heiß gegessen, wie es gekocht werde, beschwichtigte der Sprecher des Bremsenherstellers Brembo, Alberto Bombassei. „Alle Investitionen sind mit Risiken behaftet, aber vorerst ändern wir unsere Investitionspläne für Mexiko nicht.“ Auch Reifenhersteller Goodyear will an der neuen Reifenfabrik in San Luis Potosí für 550 Millionen Dollar festhalten. Es gibt sogar diejenigen, die selbst dem schlimmsten Szenario noch etwas Positives abgewinnen können. Sollte Trump seine Drohungen wahr machen, müsse Mexiko eben seinen Binnenmarkt entwickeln und nach Asien und Lateinamerika schauen, meint der Ökonom Cesar Roy. Das wäre dann ein erster Schritt zur Diversifizierung der bislang einseitig auf Nordamerika ausgerichteten Wirtschaftsstruktur.

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