Wirtschaft : Tui mit klarer Richtung

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Von Flora Wisdorff

TuiChef Michael Frenzel wirkt sorgenfrei. Dabei hat sein Konzern im Reisegeschäft gerade ein äußerst schlechtes Ergebnis präsentiert. Irak-Krieg, Sars und Konjunkturflaute haben ihre Spuren hinterlassen. Jetzt aber haben die Kunden wieder kräftig für den Sommer gebucht, sie wollen wieder Geld für den Urlaub ausgeben, versichert der Chef des weltgrößten Touristikunternehmens. Die Anschläge von Madrid haben die Reiselust bislang nicht gedämpft. Kurzum: In diesem Jahr wird alles gut, lautete Frenzels Botschaft. Er könnte recht damit haben.

Die Tui stellt sich auf die neuen Trends im Reisemarkt ein. Urlauber fahren weniger häufig und für kürzere Zeiten weg und sie entscheiden sich immer kurzfristiger, ob sie überhaupt verreisen wollen. Für die Veranstalter wird es immer schwieriger, vorauszuplanen – sie müssen schnell und flexibler reagieren können. Die Tui hat deswegen ihre Kapazitäten beträchtlich reduziert. So bleiben weniger Hotelbetten leer, und bei Bedarf gibt es Spielraum, die Preise zu senken und unentschlossene Touristen zu locken. Außerdem wächst die Zahl der Kunden, die ihre Pauschalreise lieber im Internat als im Reisebüro buchen. Auch bei diesem Geschäft will die Tui – zwar reichlich spät – einsteigen. Hotelplätze verkauft Frenzel schon über das Internet, im Gespräch ist auch ein virtueller Reiseveranstalter. Springt die Konjunktur jetzt auch an, dann ist die Tui jedenfalls gut vorbereitet.

In diesem Jahr war Konzernchef Frenzel nur deshalb in einer komfortablen Situation, weil er Beteiligungen aus dem Energie- und Stahlbereich verkaufen konnte und obendrein die Logistiksparte Hapag Lloyd viel Geld verdiente. Frenzel setzt aber darauf, sich von weiteren Beteiligungen, die nichts mit dem Reisen zu tun haben, zu trennen. Die Tui soll ein reiner Reisekonzern werden. Genau das macht ihn aber anfälliger. Anfälliger gegen Konjunkturschwankungen und Reiselaunen.

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