Wirtschaft : UBS-Händler soll mehr Geld verzockt haben Großbank beziffert Schaden auf 1,7 Milliarden Euro

Kweku Adoboli bei der Festnahme. Foto: rtr
Kweku Adoboli bei der Festnahme. Foto: rtrFoto: Reuters

London – Der Betrugsskandal bei der UBS hat die Schweizer Großbank offenbar noch mehr Geld gekostet, als bislang angenommen. Der Verlust, den ein Londoner Händler – angeblich ohne Wissen seiner Vorgesetzten – produziert habe, belaufe sich auf 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro), teilte die UBS am Sonntag mit. Bisher hatte sie den Schaden auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Der 31-jährige Händler Kweku Adoboli war in London festgenommen und einem Richter vorgeführt worden. Die Ermittler werfen ihm Betrug und Buchhaltungsfälschungen vor. Der nächste Gerichtstermin ist für den 22. September angesetzt.

Nach Angaben der UBS vom Sonntag soll Adoboli in den vergangenen drei Monaten mit Hilfe von Termingeschäften auf verschiedene Aktienindizes gewettet haben. Die Geschäfte seien nicht autorisiert gewesen. Der Händler habe seine Risiken mit Scheingeschäften abgesichert. Auf diese Weise habe er das Risikomanagement der Bank überlisten können.

Der Chef der UBS, der Deutsche Oswald Grübel, will wegen des Skandals auf keinen Fall zurücktreten: „Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert – ich fühle mich aber nicht schuldig“, sagte er der Schweizer Zeitung „Der Sonntag“. „Wenn jemand mit krimineller Energie vorgeht, können Sie nichts machen. Das wird es in unserem Job immer geben.“ Seine eigene Zukunft sei „Sache des Verwaltungsrats“. Damit könnte die Entscheidung irgendwann in den Händen von Grübels Landsmann Axel Weber liegen. Der ehemalige Bundesbank-Präsident wird den Vorsitz des Kontrollgremiums im Mai übernehmen und lehrt derzeit in Chicago.

Seit Bekanntwerden der illegalen Geschäfte steht aber auch das Geschäftsmodell der UBS unter Druck. Insbesondere das Wertpapiergeschäft hatte der Bank in der Finanzkrise so herbe Verluste beschert, dass sie vom Schweizer Staat gestützt werden musste. mirs/dpa

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