Wirtschaft : Überflieger aus der Schweiz

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Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Aufregung um die Abfindung für den früheren MannesmannChef Klaus Esser für hoffnungslos überzogen hält. „Deutschland, wach auf“, hielt Josef Ackermann bei der letzten Bilanzpressekonferenz denjenigen entgegen, die nach dem Ermittlungsverfahren fragten. Das Land könne es sich nicht leisten, einen der „talentiertesten Manager Deutschlands“ einfach auszumustern, findet er. Sonst werde es auf die Dauer für Manager und Unternehmer dieser Liga unattraktiv.

Kein Zweifel: Auch Ackermann spielt in dieser Liga. Er ist der am besten bezahlte Vorstandschef eines deutschen Dax-Unternehmens. Bei der Deutschen Bank machte der 55-jährige eine Blitzkarriere, nachdem er vorher im schweizerischen Bankwesen als große Management-Hoffnung gehandelt wurde. 1996 fing er in Frankfurt an, schon 1998, nach der erfolgreichen Integration der US-Bank Bankers Trust in die Deutsche Bank, hatte er bereits den Job des Kronprinzen. Sein Einfluss auf das Geldhaus war schon im Jahr 2000 so groß, dass er die geplante Fusion mit der Dresdner Bank platzen ließ – und die hatte immerhin Vorstandschef Rolf Breuer persönlich vereinbart. Da war es nur folgerichtig, dass Ackermann zum Nachfolger erklärt wurde. Josef Ackermann, der in Frankfurter Bankerkreisen „Joe“ genannt wird, verordnete der Bank eine neue Führungsstruktur: Das Kollegialprinzip im Vorstand wurde durch eine straffe Hierarchie ersetzt.

Dass er die Rechte und Pflichten eines Aufsichtsrats tatsächlich ernst nehme, zeige schon sein Engagement für die Regeln guter Unternehmensführung, die so genannte Corporate Governance, erzählen Deutsch-Banker gern. Nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone habe er sein Aufsichtsratsmandat bei Vodafone schließlich aus freien Stücken niedergelegt. Das Geschäft des britischen Mobilfunkunternehmens sei so komplex, dass er der Arbeitsaufwand für ihn zu hoch geworden sei.uwe

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