Wirtschaft : Übernahme der Dresdner Bank: Die Allianz riecht den Riester-Kuchen

Rainer Hank

Die freundliche Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz steht vor der Vollendung. Am Wochenende haben die Aufsichtsräte beider Finanzkonzerne dem Deal zugestimmt. Jetzt überschlagen sich die Berichte wieder in Superlativen: Es entstehe ein Allfinanz-Gigant mit einem Marktwert über 100 Milliarden Euro, der Vermögen von mehr als 1000 Milliarden Euro verwaltet. Es hat sich freilich inzwischen herumgesprochen, dass schiere Größe allein kein Garant für Erfolg ist. Niemand zwingt Unternehmen zu Fusionen; auch die Globalisierung tut das nicht. Um so mehr drängt sich die Frage auf: Warum machen die beiden es dann? Mindestens eine entscheidende Teil-Antwort heißt: Wegen des Riester-Kuchens. Wenn nämlich die Rentenreform - früher oder später - verabschiedet sein wird, werden die Deutschen bis zum Jahr 2008 rund 300 Milliarden Mark für ihre private Altersvorsorge in Fonds und Versicherungen investieren. Sollte, was wahrscheinlich ist, der Anteil der Privatvorsorge noch wachsen, weil die Umlagenrente an Grenzen kommt, wächst natürlich auch dieser Kuchen. Deutschlands Nachholbedarf ist enorm. Während in Großbritannien oder USA der Anteil der Fonds zur Alterssicherung 90 Prozent des Bruttosozialproduktes beträgt, sind es hier zu Lande gerade 7 Prozent. Kein Wunder, dass von der Aussicht auf so viel Kuchen alle Anbieter von Finanzprodukten so viele Stücke wie möglich abbekommen wollen. Die Verwaltung und Mehrung großer Vermögen verspricht ein großes Geschäft zu werden. Allianz und Dresdner hoffen jetzt, ihr Stück werde besonders dick, wenn ein einziger Allfinanz-Verkäufer die ganze Prdouktpalette feil hält. Für diese Logik spricht einiges, weil der Anleger hofft, sein Vermögensverwalter wisse am besten, was ihn im Alter reich und glücklich macht. Zwingend ist diese Logik freilich nicht. Denn der Kunde kann machen, was er will; er kann sein Geld auch anders streuen.

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