Wirtschaft : Übernahme drückt den Gewinn

Berliner Pharmakonzern bleibt für das zweite Halbjahr dennoch optimistisch

Maren Peters

Berlin - Wegen überraschend hoher Kosten in Zusammenhang mit dem monatelangen Übernahmepoker hat Schering im zweiten Quartal deutlich weniger verdient als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotzdem geht das Berliner Pharmaunternehmen, das gerade vom Konkurrenten Bayer übernommen wird, mit viel Optimismus in das zweite Halbjahr: Im Vertrauen auf ein weiterhin kräftiges Wachstum der umsatzstärksten Medikamente – dem Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon und der Antibabypille Yasmin – hob Konzernchef Hubertus Erlen den Ausblick für das Gesamtjahr am Dienstag an. „Wir liegen nach dem ersten Halbjahr am oberen Ende unserer Erwartungen“, sagte Erlen im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Es waren die letzten Quartalszahlen, die Schering als unabhängiges Unternehmen vorgelegt hat. Voraussichtlich im September will Bayer den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag für Schering abschließen – damit wäre die Übernahme komplett. Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern hatte den dramatischen Übernahmekampf um Schering für sich entschieden und dabei den Darmstädter Konkurrenten Merck ausgestochen. Bayer wird insgesamt 16,9 Milliarden Euro für Schering zahlen. Nach letztem Stand hielt Bayer 92,4 Prozent der Schering-Aktien. Um auch die übrigen Aktionäre abfinden und Schering von der Börse nehmen zu können, brauchen die Leverkusener mindestens 95 Prozent der Schering-Anteile.

Schering hat den Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 1,4 Milliarden Euro erhöht. Das Betriebsergebnis sank um rund ein Drittel auf 170 Millionen Euro. Es wurde belastet durch die hohen Kosten in Zusammenhang mit der Übernahme, die sich nach Schering-Angaben insgesamt auf 125 Millionen Euro beliefen. Davon entfielen auf das zweite Halbjahr 106 Millionen Euro. Ohne diese Kosten wäre der Betriebsgewinn um 17 Prozent gestiegen. Der Konzerngewinn sank im zweiten Quartal um ein Drittel auf 127 Millionen Euro.

Im Gesamtjahr will Schering nach Angaben von Konzernchef Erlen den Umsatz in lokalen Währungen nun im hohen einstelligen Prozentbereich steigern. Das ist etwas mehr als bisher erwartet.

Während der Kurs der Schering-Aktie am Dienstag um 0,4 Prozent nachgab, verteuerten sich Bayer-Papiere um 1,3 Prozent. Analysten erklärten das damit, dass Schering – abgesehen von den Übernahmekosten – gute Zahlen vorgelegt hat. Das deute darauf hin, dass es von Bayer richtig war, Schering zu kaufen.

Schering-Chef Erlen erklärte die überraschend hohen Übernahmekosten damit, dass darin bereits erwartete Mehraufwendungen für das Gesamtjahr einkalkuliert seien. „Ein erheblicher Teil fließt in die Rückstellungen.“ Rund die Hälfte der 125 Millionen Euro entfalle auf Beratungskosten, fast ein Drittel auf erfolgsabhängige Leistungszulagen für Manager, die wegen des stark gestiegenen Aktienkurses sehr hoch seien. Der Rest fließt laut Erlen in Abfindungen für Vorstände.

Schering war im Übernahmekampf unter anderem durch die Investmentbanken Morgan Stanley und Dresdner Kleinwort Wasserstein sowie die Kommunikationsagentur Brunswick beraten worden.

Spätestens Ende 2006 soll feststehen, wie viele und welche Stellen im fusionierten Unternehmen gestrichen werden. „Ich rechne damit, dass das Ausmaß zum Jahresende voll sichtbar sein wird“, sagte Erlen. Bayer hatte angekündigt, dass rund 6000 Stellen wegfallen werden. Der Schering-Chef schloss nicht aus, dass Bayer Konzernfunktionen nach Berlin verlegt. „Ich rechne damit, dass das Wachstum des Geschäfts für Berlin auch positive Auswirkungen hat.“

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