Wirtschaft : Übernahme: Kleine Perle für die Dresdner Bank (Kommentar)

Henrik Mortsiefer

Bernd Fahrholz macht ernst. Mit der erwarteten Übernahme des US-Investmenthauses Wasserstein Perella nähert sich der Vorstandschef der Dresdner Bank einem wichtigen strategischen Ziel: Die Frankfurter Großbank soll zu einer führenden europäischen Investmentbank mit "ausgewählten globalen Kompetenzen" ausgebaut werden. Mit dieser Losung trat Fahrholz nach den geplatzten Fusionsversuchen mit der Deutschen und der Commerzbank die Nachfolge von Berhard Walter an. Schon damals dürfte sich Leonhard Fischer, im Vorstand für das einträgliche Investmentbanking verantwortlich, auf die Suche nach einem geeigneten Partner gemacht haben. Mit Blickrichtung USA, denn dort wies die Investmentsparte Dresdner Kleinwort Benson bisher die größten Schwächen im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen auf.

Der Wasserstein-Deal kommt gerade noch rechtzeitig. Die Gruppe möglicher Übernahmekandidaten im Investmentgeschäft ist überschaubar. Echte Perlen sind rar und teuer geworden. Im Verbund mit Wasserstein, das für etwas mehr als drei Milliarden Mark vergleichsweise günstig eingekauft wurde, untermauert die Dresdner Bank ihre Entschlossenheit, auf eigene Stärken zu setzen. Dass dabei vor allem die Mitarbeiter profitieren, haben die Banker in diesem Jahr gleich mehrfach gelernt. 800 Millionen Mark musste die Dresdner ihren Investmentbankern zahlen, um sie nach den Fusionsdebakeln bei der Stange zu halten. Nun legt Fahrholz noch einmal fast 450 Millionen Mark drauf, um das Management an Wasserstein zu binden. Es bewahrheitet sich eine Branchenregel: Das Kapital der Investmentbanken kommt morgens zur Tür herein und verlässt abends das Haus. Die Dresdner Bank tut gut daran, dieses Gesetz nicht zu missachten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben