Übernahme von Air Berlin : "Die Lufthansa sollte jetzt kulant sein"

Was dürfen Kunden von Air Berlin nach der Übernahme durch die Lufthansa jetzt erwarten? Ein Interview mit dem obersten Verbraucherschützer Klaus Müller.

Sieht Lufthansa in der (Kulanz-)Pflicht: Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.
Sieht Lufthansa in der (Kulanz-)Pflicht: Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.Foto: Thilo Rückeis

Die Lufthansa, die mit Abstand Marktführerin in Deutschland ist, übernimmt weite Teile der Nummer zwei, Air Berlin. Ist das für Verbraucher eine gute oder eine schlechte Nachricht, Herr Müller?

Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht. Aber wenn die größte Fluggesellschaft die Nummer zwei übernimmt, drohen Monopoltendenzen. Wir befürchten, dass die Preise steigen. Alles andere wäre naiv. Einige Flugstrecken in Deutschland dürften teurer werden. Es ist daher eine klare Aufgabe für das Bundeskartellamt, den Markt im Blick zu behalten und gegen die Lufthansa vorzugehen, falls sie ihre Marktstellung für ungerechtfertigte Preiserhöhungen ausnutzt.

Muss die Lufthansa Air-Berlin-Tickets auf Strecken, die sie übernimmt, akzeptieren – ohne Aufpreis?

Rechtlich ist die Lufthansa wegen des Insolvenzverfahrens dazu wohl nicht verpflichtet, aber es wäre eine sehr freundliche und kulante Geste. Ich finde, die Lufthansa sollte alle vorab bezahlten Tickets von Air Berlin eins zu eins akzeptieren. Damit würde sie die vielen geschädigten und auch genervten Passagiere versöhnen.

Werden Air-Berlin-Kunden jemals Geld für ihre Tickets sehen, die wegen der vielen Flugausfälle wertlos geworden sind?

Alle, die vor dem 15. August gekauft und bezahlt haben, werden wohl leer ausgehen. Die Kunden, die danach Tickets erworben haben, sollen ja entschädigt werden, doch bisher tut sich da zu wenig.

Pauschalreisende sind gegen Insolvenz des Veranstalters versichert. Brauchen wir das auch für Flugpassagiere?

Man muss bei allen Fluglinien vorab bezahlen – für eine Leistung, die man noch nicht hat. Viele Menschen haben bei Air Berlin drei- oder sogar vierstellige Summen gezahlt, um in den Urlaub zu fliegen. Angesichts diese Ungleichgewichts muss der Staat dafür sorgen, dass die Airlines eine Insolvenzsicherung anbieten müssen. Bei Air Berlin und auch bei der britischen Monarch haben die Verbraucher jetzt das Nachsehen. Wir brauchen daher bei individuell gebuchten Flugreisen eine Insolvenzsicherung, das gehört unbedingt in den Koalitionsvertrag.

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