Wirtschaft : Übernahme von Herlitz geplatzt

Schwedische Esselte kann sich mit Banken nicht einigen/Weitere Interessenten

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Berlin (alf). Die seit vielen Monaten geplante Übernahme des Berliner Papier und Schreibwarenunternehmens Herlitz die schwedische Esselte-Gruppe ist geplatzt. Wie die „Financial Times Deutschland“ und die Deutsche Presseagentur am Dienstag berichteten, sind die Verkaufsverhandlungen wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen abgebrochen worden. Aus Bankenkreisen erfuhr der Tagesspiegel, Esselte habe Probleme mit der Finanzierung der Übernahme gehabt. Am heutigen Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens, um über die weiteren Verkaufsoptionen zu beraten. Wie bei Herlitz-Eigentümern zu erfahren war – gut zwei Drittel des Unternehmens gehören den Gläubigerbanken – finden Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren statt.

Nach einer jahrelangen Talfahrt hatte das Berliner Traditionsunternehmen im Frühjahr 2002 Insolvenz anmelden müssen. Herlitz zählt mit seinen knapp 3000 Beschäftigten zu den führenden Herstellern von Papier-, Büro- und Schreibwaren in Europa. Nach einem fünfmonatigem Insolvenzverfahren konnte das Unternehmen gerettet werden. Die Gläubigerbanken, allen voran die Hypo-Vereinsbank und die Deutsche Bank, hatten Forderungen in Beteiligungen umgewandelt. Der Anteil der Gründerfamilie Herlitz ist unbestätigten Angaben zufolge auf weniger als ein Prozent zusammengeschmolzen. Rund elf Millionen Aktien befinden sich in Streubesitz. Hinter den Aktionären liegen schwere Jahre, der Kurs der Aktie schrumpfte auf eine beinahe vernachlässigbare Größe. Am Dienstag ließ die Meldung über den geplatzten Esselte-Einstieg den Kurs um knapp fünf Prozent auf 2,33 Euro abrutschen. Weder Herlitz noch die mit dem Verkauf des Unternehmens betraute Hypo-Vereinsbank wollten am Dienstag Stellung nehmen. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) appellierte an das Unternehmen und die Banken, sich frühzeitig zusammenzusetzen, um eine neue Insolvenz abzuwenden. Herlitz hatte im April 2002 Insolvenz anmelden müssen.

Berichten zufolge laufen die Kreditlinien von Herlitz Ende März 2004 aus. Sollten die Banken sie nicht verlängern, könnte das Unternehmen erneut in Existenznot kommen. Ob die Kreditinstitute ein weiteres Mal Geld zuschießen werden, sei noch offen. Derzeit gebe es allerdings keine Anzeichen dafür, dass die Gläubiger Herlitz erneut in die Pleite schicken wollen. Im Gegenteil: „Es sieht gut aus“, sagte ein Banker dem Tagesspiegel über die mögliche Verlängerung der Kreditlinie.

Das hängt auch zusammen mit dem Sanierungserfolg. Im eigentlichen Geschäft konnte Herlitz bereits im vergangenen Jahr einen Gewinn von 15 Millionen Euro erwirtschaften, nachdem das Minus im Vorjahr bei 41 Millionen Euro gelegen hatte. Die Verbindlichkeiten wurden 2002 von 371 Millionen auf 124 Millionen Euro reduziert, der Zinsaufwand sank gleichzeitig um acht auf zwölf Millionen Euro.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre zeigte sich am Dienstag besorgt, dass womöglich Unstimmigkeiten im Bankenkonsortium sich negativ auf die Zukunft von Herlitz auswirken könnten. Ein Sprecher der Schutzgemeinschaft wies gegenüber der Deutschen Presseagentur darauf hin, dass bei der vergangenen Hauptversammlung im Juni immerhin 14 Prozent der Aktionäre gegen eine Fortführung des Unternehmens gestimmt hätten. Der Esselte-Konzern, der mit Leitz bereits in Deutschland vertreten ist, wollte über das Berliner Unternehmen einen schnellen Zugang zu großen Handelskunden wie Metro oder Rewe bekommen. Esselte erzielt in Deutschland rund 200 Millionen Euro Umsatz.

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