Uhrenhersteller : Junghans ist insolvent

Der traditionsreiche Schwarzwälder Uhrenhersteller Junghans hat Insolvenz angemeldet. Grund für den Schritt seien Verbindlichkeiten aus früherer Zeit sowie „die allgemeine konjunkturelle Lage“, teilte die Geschäftsführung mit. Für die Situation sei auch die Krise der Mutter Egana Goldpfeil mitverantwortlich.

Schramberg/Berlin - Der traditionsreiche Schwarzwälder Uhrenhersteller Junghans hat Insolvenz angemeldet. Grund für den Schritt seien Verbindlichkeiten aus früherer Zeit sowie „die allgemeine konjunkturelle Lage“, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Georg Bernsau am Montag mit. Bernsau verwies zudem auf finanzielle Schwierigkeiten der Muttergesellschaft Egana Goldpfeil, die die Tochter in Mitleidenschaft gezogen habe.

Alle Einzelgesellschaften des Egana-Goldpfeil-Konzerns seien deshalb aufgefordert worden, ebenfalls ihre Geschäfte zu prüfen, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall am Montag. Rund 110 Mitarbeiter sind seinen Angaben zufolge für die Junghans Uhren GmbH mit Sitz in Schramberg (Kreis Rottweil) beschäftigt. Insolvenzverwalter Bernsau machte in seiner Mitteilung keine Angaben zur Zukunft der Beschäftigten, er erklärte allerdings, dass eine „vollständige Restrukturierung“ des Unternehmens angestrebt werde.

Der deutsch-chinesische Konsum- und Luxusgüterkonzern Egana Goldpfeil war vor rund einem Jahr in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im Zuge dessen mussten auch einzelne Filialen des Konzerns geschlossen worden. Erschwerend kam hinzu, dass chinesische Aufsichtsratsmitglieder in einen Betrugsskandal verwickelt waren.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Hongkong und die Europazentrale in Offenbach. Die Gruppe beschäftigt weltweit 7000 Mitarbeiter, davon 2000 in Deutschland. In Offenbach arbeiten für vier Töchter rund 250 Leute. Goldpfeil gehört seit 1998 zu der an der Hongkonger Börse notierten Egana-

Goldpfeil-Holding. Dazu gehören unter anderem auch bekannte deutsche Marken wie Joop, Sioux, Dugena und der Schuhhersteller Salamander mit Sitz in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg).

Egana Goldpfeil war in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts von dem deutschen Kaufmann Hans-Jörg Seeberger zusammengekauft worden. In der Hochphase der Konzernkrise war Seeberger einige Monate unauffindbar untergetaucht. Im Oktober 2007 wurde schließlich bekannt, dass er in Spanien verstorben war. dpa/Tsp

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