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Umbau im Vorstand : Siemens verdient ein Viertel weniger

Siemens baut erneut die Führungsetage um. Neues Personal soll die Bereiche Energie und Gas sowie Medizintechnik in Schwung bringen. Das vergangene Quartal verlief enttäuschend. Die Aktionäre reagieren auf der Hauptversammlung mit scharfer Kritik.

Umbau. Der Siemens-Konzern hat ein schwieriges Quartal hinter sich.
Umbau. Der Siemens-Konzern hat ein schwieriges Quartal hinter sich.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Nach einem schwierigen Start ins Geschäftsjahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser zur Hauptversammlung deutliche Aktionärskritik einstecken müssen. Der Konzernumbau geht vielen Anlegern zu langsam. „Wie viele Übergangsjahre wollen Sie uns noch zumuten, Herr Kaeser“, sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Siemens sei in den letzten Jahren hinter die Wettbewerber zurückgefallen und habe auch die Technologie- und Innovationsführerschaft in weiten Teilen verloren. „Ein Weiter so darf es nicht geben, wenn man nicht noch mehr an Boden verlieren will.“ Für Kritik sorgt auch die milliardenschwere Übernahme des US-Industriezulieferers Dresser-Rand. Wegen des Ölpreisverfalls bemängeln Investoren schon länger ein schlechtes Timing und einen zu hohen Kaufpreis für den Kompressorenhersteller. Mit der Akquisition habe Kaeser viel Kredit verspielt, sagte Henning Gebhardt von Deutsche Asset & Wealth Management. „Auch wenn es für eine Beurteilung heute natürlich zu früh ist, so erscheint der Einstieg in Öl & Gas erst einmal misslungen.“

Sondereffekte drücken den Quartalsgewinn

Der Gewinn von Siemens ist im vergangenen Quartal vor allem wegen Sondereffekten um ein Viertel abgesackt. Das Ergebnis nach Steuern schrumpfte auf knapp 1,1 Milliarden Euro, wie der Konzern am Dienstag vor seiner Hauptversammlung mitteilte. Während die Umsätze um drei Prozent auf 17,4 Milliarden Euro kletterten, sank der Auftragseingang um 13 Prozent auf rund 18 Milliarden Euro.
Für den Gewinnschwund machte Siemens unter anderem eine veränderte Zinslage und Schwankungen bei Finanzinstrumenten verantwortlichen. Dies riss in die hauseigene Vermögensverwaltung ein Loch von 123 Millionen Euro.

Mögliche weitere Einschnitte bei der Kraftwerkstechnik


Operativ lief es für die Münchner in den einzelnen Konzernsparten unterschiedlich. Während das Geschäft mit Energietransfertechnik und Windanlagen brummte, hatten Medizintechnik und die Kraftwerks- und Gassparte (Power & Gas) mit Rückgängen zu kämpfen. Siemens-Chef Joe Kaeser deutete weitere Einschnitte in dem Geschäft mit Kraftwerkstechnik an. “Power and Gas benötigt ein deutlich weitreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren“, erklärte er. Die Sparte hat mit den Folgen des schwindenden Ölpreises zu kämpfen. Siemens will bisher bereits rund 1200 Stellen in dem Geschäftsfeld abbauen.

Gewinnprognose für 2015 bleibt stabil


Für das erste Quartal zeigte sich Kaeser zufrieden. “Die meisten unserer Geschäfte haben sich im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt“, sagte er. Für das Gesamtjahr bekräftigte er, den Gewinn je Aktie um mindestens 15 Prozent zu steigern und eine operative Marge zwischen zehn und elf Prozent zu erreichen.

Stühlerücken im Vorstand

Siemens teilte weiter mit, dass der Vorstand umgebaut wird. Bernd Montag löst den bisherigen Chef von Siemens-Healthcare, Hermann Requardt, ab. Nun werde es Montags Aufgabe sein, Healthcare als eigenständiges Geschäft im Konzern neu aufzustellen, erklärte Siemens-Chef Kaeser. Montag leitet derzeit das Geschäft Imaging und Therapie innerhalb von Healthcare. Den Konzern zum Monatsende verlassen wird den Unternehmensangaben zufolge auf eigenen Wunsch der Chef der Division Power and Gas, Roland Fischer. Dessen Geschäfte übernehme kommissarisch Siemens-Vorstandsmitglied Lisa Davis, bis über die Nachfolge entschieden sei. Die Sparte leidet unter weltweiten Überkapazitäten und dem Preisdruck im Turbinengeschäft. rtr

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