Wirtschaft : UMTS-Auktion: Die Handy-Zukunft wird in der ehemeliger US-Kaserne versteigert

Corinna Visser

Mit Spannung schauen die großen Telekommunikationskonzerne Europas am heutigen Montag nach Mainz. In einer ehemaligen Kaserne der US-Army versteigert die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS. Spannung herrscht dann auch im Bundesfinanzministerium, das am Ende den Auktionserlös einstreichen und zur Tilgung von Schulden verwenden wird. Einnahmen bis zu 120 Milliarden Mark waren bis vor wenigen Wochen noch erwartet worden, mittlerweile rechnen Beobachter mit weniger als 100 Milliarden Mark.

Und längst ist nicht nur bei den Erlöserwartungen Ernüchterung eingetreten. Mit UMTS sollen Daten künftig bis zu 200 mal schneller übertragen werden können, als mit dem derzeitigen Mobilfunkstandard GSM und auch bis zu 30 mal schneller als heute mit ISDN. Doch es wird an Alternativen gebastelt: Mit neuer Technik kann auch aus den bisherigen Netzen mehr Leistung herausgeholt werden. Bereits im Mai diesen Jahres gewann der Hildesheimer Schüler Sebastian Haenel den Bundeswettbewerb "Jugend forscht 2000" mit seiner Entwicklung eines neuen Übertragungsverfahrens. In den D- und E-Netze könnten damit Daten bis zu 50 mal schneller übertragen werden als heute - ohne dass dafür kostspielige neue Netze oder Handys erforderlich wären. Und auch sprachlich steht der Schüler den Telekommunikationskonzernen in nichts nach: Mobiler DECT/GSM/GPS-Multicontroller nennt er seine Beschleunigungstechnik, die auch eine genaue Positionsbestimmung des Handynutzers möglich macht.

Noch hat der Schüler seine Erfindung nicht verkaufen können. Doch unter den Bewerbern, die bei der UMTS-Versteigerung nun leer ausgehen, wird er vielleicht einen heißen Interessenten finden.

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