Wirtschaft : UMTS-Auktion: Videokonferenz aus dem Auto und interaktive Stadtführung

Joachim Sondermann

Die Gewinner der UMTS-Versteigerung werden nach Ende der Auktion zweistellige Milliardenbeträge an die Staatskasse überweisen müssen. Was aber machen die Unternehmen mit der teuren Erwerbung? Der Verbraucher in Deutschland wird erst in zwei bis drei Jahren etwas von dem neuen Mobilfunknetz bemerken. Zunächst müssen die Telefongesellschaften weitere Milliarden investieren, um Sendeanlagen und andere Infrastruktur des neuen Netzes aufzubauen. Auch Endgeräte gibt es bisher nur als Studien. Das dürfte sich allerdings schon bald ändern. Die ersten Seriengeräte werden voraussichtlich in Japan auf den Markt kommen, wo UMTS schon im nächsten Jahr in Betrieb gehen soll.

UMTS - Universal Mobile Telecommunications System - bringt "Internet zum Mitnehmen": Datenübertragungsraten von bis zu zwei Millionen Bit pro Sekunde im Gegensatz zu den schneckengleichen 9600 Bit pro Sekunde der heutigen GSM-Handys ermöglichen es, alle heute gängigen und viele noch nicht einmal als Idee angedachten Internetanwendungen künftig auch ohne Kabelverbindung zur Telefonsteckdose zu nutzen. UMTS ist sogar deutlich schneller als die bisher flotteste, für Privatnutzer noch erschwingliche Internetanbindung über DSL, die es in der gegenwärtigen Version, beispielsweise der Telekom auf 768 000 Bit pro Sekunde bringt. Die Übertragung von Videofilmen in hoher Qualität zum Beispiel wäre für UMTS kein Problem. Damit würde "video on demand", die Übertragung von Filmen aus den Pools der großen Rechteinhaber gegen Einzelabrechnung, die schon seit Jahren in den Köpfen der Verantwortlichen bei den Internetanbietern herumspukt, möglich.

Eine Idee, die bei den meisten Geräteproduzenten wie Siemens und Nokia auftaucht, ist das Handy mit eingebauter Farbvideokamera. Das Bildtelefon würde Wirklichkeit - aber mobil und nicht in der ruckeligen Qualität, die heute über ISDN-Festanschlüsse (64 000 Bit pro Sekunde) angeboten wird. Videokonferenzen aus dem fahrenden Auto? Vielleicht nicht besonders sinnvoll, aber mit UMTS möglich. Sehr nahe liegend sind UMTS-Einschubkarten für den Laptop. Der Zugriff auch auf grafisch aufwendige Internetseiten ist dann unterwegs genau so oder besser möglich als bisher vom Büro oder von zu Hause aus über das Festnetz. Der mobile Arbeitsplatz verliert den Behelfscharakter. Der reisende Geschäftsmann hat von überall her schnellen Zugriff auch auf die Daten im Intranet seiner Firma.

Farbdisplays dürften für UMTS-Handys oder neuartige Kompaktgeräte die Norm sein. Diese Bildschirme sind zwar deutlich kleiner als die der Laptops, der Vorteil liegt aber im geringen Stromverbrauch und der Gerätegröße. Und dank der hohen Übertragungsraten ist die schnelle Börsen- oder Flugplaninformation dann anders als bei den heutigen WAP-Handys auch praktikabel. Recht originell erscheint die Idee eines interaktiven Fremdenführers, wie sie Siemens unter dem Schlagwort "City on Air" propagiert: Das UMTS-Handy zeigt Informationen und Videos zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants und anderen wichtigen Orten.

Der Aufbau der UMTS-Netze und die Entwicklung all dieser neuen Möglichkeiten wird zwar viel Geld kosten, die Gewinnaussichten sind den Unternehmen aber Milliarden-Gebote allein für die Lizenzen wert. Der Optimismus gründet sich auch auf den Boom der GSM-Handys. Statt eingeplanter vier Millionen kann sich allein die Telekom inzwischen über mehr als 14 Millionen Kunden ihres D1-Netzes freuen. 1998 waren es noch knapp vier Millionen Kunden.

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