Wirtschaft : UMTS-Ausstieg kostet Mobilcom Milliarden

Telefonfirma muss Investitionen in neue Handy-Technik abschreiben und steht nun wieder ganz am Anfang

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Berlin (vis). Die Büdelsdorfer Telefongesellschaft Mobilcom verabschiedet sich mit einem MilliardenVerlust aus dem UMTS-Geschäft. Insgesamt 9,9 Milliarden Euro hat Mobilcom im dritten Quartal auf das gesamte UMTS-Vermögen abgeschrieben. Unter dem Strich steht damit ein Betriebsverlust von 2,9 Milliarden Euro. Denn den Abschreibungen stehen die 7,1 Milliarden Euro gegenüber, die der ehemalige Partner France Télécom in seine Bücher nimmt. Sollte es Mobilcom gelingen, nun Teile der bereits aufgebauten UMTS-Technik doch noch zu verkaufen, erhält Mobilcom zehn Prozent der Verkaufserlöse, der Rest geht an France Télécom.

In seinem Zwischenbericht zum dritten Quartal teilt das Unternehmen mit, dass es ohne die Unterstützung von France Télécom keine Möglichkeit sehe, das Geschäft mit der neuen Mobilfunktechnik UMTS allein zu finanzieren. France Télécom hatte den Vertrag mit Mobilcom im Sommer gekündigt und im September nach monatelangem heftigen Streit mit Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid die Zahlungen an Mobilcom eingestellt. Das brachte Mobilcom an den Rand der Insolvenz. Inzwischen hat ein Bankenkonsortium dem Unternehmen – zum Teil durch staatliche Bürgschaften gedeckt – ein Darlehen von insgesamt 162 Millionen Euro als Unterstützung für die Sanierung des Unternehmens gewährt.

Die Abschreibung sei nötig gewesen, weil Mobilcom nicht glaube, diesen Wert wieder zu bekommen, sagte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz. Mit den 9,9 Milliarden Euro seien nun alle Risiken aus dem Bereich UMTS bilanziell verarbeitet. Die 8,4 Milliarden Euro teure UMTS-Lizenz ist unter den geltenden Regeln kaum zu verkaufen. „Wir haben dafür keinen konkreten Interessenten“, sagte Grenz. „Wenn es nach den Buchstaben des Gesetzes geht, wird die Lizenz Ende nächsten Jahres eingezogen.“ Anders sehe es bei den bislang gebauten UMTS-Sende- und Netzanlagen aus, die sowohl für E-Plus als auch für O2 und T-Mobile interessant seien. Nach den Abschreibungen und dem Ausstieg aus dem UMTS-Geschäft gehe die neue Mobilcom ohne Lasten an den Start und könne bereits im ersten Halbjahr 2003 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Noch macht Mobilcom aber im Stammgeschäft, dem Vertrieb von Mobilfunkverträgen, Verluste. Zwar erzielte Mobilcom im dritten Quartal in dieser Sparte den höchsten Umsatz 2002. In den ersten neun Monaten setzte Mobilcom im Mobifunkgeschäft aber nur 1,1 Milliarden Euro um im Vergleich zu 1,5 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten 2001. „Bei Mobilcom sind die Umsätze eingebrochen, während andere Wettbewerber zulegen konnten“, sagt Analyst Norbert Kretlow von Independant Research. Der Streit mit France Télécom habe das Tagesgeschäft von Mobilcom sehr belastet, sagt Kretlow. „Der Markenname Mobilcom wurde dadurch beschädigt.“ Die Verunsicherung der Kunden werde aber in absehbarer Zeit wieder nachlassen.

Durch das von Mobilcom geplante Sanierungsprogramm, das unter anderem den Abbau von rund 1800 Arbeitsplätzen vorsieht, habe Mobilcom aber eine Chance im Mobilfunkgeschäft Geld zu verdienen. Die anderen Service-Provider (siehe Lexikon Seite 18) zeigten, dass das Geschäft durchaus profitabel betrieben werden könne, sagt Kretlow. Zudem habe Mobilcom eine wertvolle Kundenbasis. 68 Prozent der Mobilfunkkunden sind Vertragskunden, die im Durchschnitt höhere Umsätze bringen, als Kunden mit vorausbezahlten Guthabenkarten.

France Télécom baut Stellen ab

Die mit 70 Milliarden Euro verschuldete France Télécom will nach eigenen Angaben in den kommenden drei Jahren in Frankreich rund 20000 Stellen abbauen. Diese Stellenstreichungen sollen vor allem durch das bestehende Programm für vorzeitige Ruhestandsregelungen erreicht werden, teilte der Konzern mit. Presseberichte über einen darüber hinausgehenden Sozialplan dementierte der Konzern jedoch.

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