Wirtschaft : UMTS-Lizenzen: Versteigerung geht in die entscheidende Phase

Der Milliardenpoker um die UMTS-Mobilfunklizenzen geht in die Schlussphase: Nach der 150. Versteigerungsrunde summierten sich die Höchstgebote am Dienstag auf rund 85,66 Milliarden Mark. Damit kann der Bundesfinanzminister bereits vor Schluss der Auktion gut vier Mal so hohe Auktionserlöse in seinem Haushalt verbuchen als eingeplant. Das Auktionstempo verlangsamte sich am Dienstag unterdessen deutlich. Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, hatte die Mindestzulage für neue Höchstgebote von zehn auf fünf Prozent halbiert. Außerdem gab das Bieterkonsortium E-Plus / Hutchison wie zuvor bereits Viag Interkom den Kampf um eine Lizenz mit großer Kapazitätsausstattung auf und bot nur noch um eine Lizenz mit zwei Frequenzblöcken.

Die Höhe der Auktionsgebote rechtfertige das Fernhalten von möglichen künftigen Konkurrenten auf dem Mobilfunkmarkt nicht mehr, teilte ein Sprecher von E-Plus mit. Durch ständiges Bieten für drei Blöcke kann versucht werden, Neueinsteiger wie das Konsortium 3G oder France Télécom / Mobilcom aus dem Markt herauszuhalten.

Bislang verhinderten die beiden deutschen Marktführer D1-Telekom und D2-Mannesmann, dass die Auktion zu einem Ende kommt. Nachdem am Montagabend die zwölf zur Versteigerung stehenden Frequenzblöcke gleichmäßig auf die sechs Bieter verteilt waren, legte am Dienstag zunächst D1 wieder ein Gebot für drei Blöcke vor, später konterte D2. Wegen ihres großen Kundenstamms streben beide eine Lizenz mit drei Frequenzblöcken an. Technische Mindestvoraussetzung für ein UMTS-Mobilfunknetz sind zwei Blöcke, drei ermöglichen einen besseren Service. Sollten D1 und D2 weiter drei Blöcke ersteigern wollen, muss noch mindestens einer der sechs verbliebenen Bieter aus der Auktion ausscheiden. Die Bieter können für zwei oder maximal drei Frequenzblöcke bieten, so dass am Ende vier bis sechs UMTS-Lizenzen vergeben werden.

Unklar ist, wie sich Mobilcom und das spanisch-finnische Bieterkonsortium 3G (Telefónica / Sonera) weiter verhalten werden. Beide Bewerber ließen Gerüchte unbestätig, wonach auch sie ihre Pläne herunterschraubten; Mobilcom und 3G tauchten am Dienstag aber nur noch mit Höchstgeboten für jeweils zwei Blöcke auf. Ein Mobilcom-Sprecher sagte, er rechne mit einem schnellen Ende der Auktion, wenn ein weiterer Bewerber aussteigt. Am Freitag war Debitel als erste ausgestiegen. Als weiterer Kandidat, der vorzeitig aufgeben könnte, gilt 3G.

Nach der Vergabe der UMTS-Lizenzen soll auch die Uhr versteigert werden, die jeweils Beginn und Ende der Auktionsrunden anzeigt. Der Erlös solle einer karitativen Einrichtung in Mainz zugute kommen, kündigte der der Präsident der Regulierungsbehörde Klaus-Dieter Scheurle an. An der Versteigerung könnten sich die Vertreter der Telefongesellschaften und Journalisten beteiligen. Er rechne mit einer vierstelligen Summe, sagte Scheurle. Gekostet hat die Uhr rund 200 Mark.

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