Wirtschaft : UMTS: Rückzieher im Wettlauf um Mobilfunkfrequenzen (Kommentar)

Corinna Visser

Der Poker hat längst begonnen. Zwar ist die Versteigerung der Mobilfunklizenzen der dritten Generation (UMTS) erst für den 31. Juli angesetzt, doch schon Wochen vor dem Start stecken die Bewerber das Spielfeld ab. Die unerwartet hohen Preise, die die Konkurrenten für die UMTS-Lizenzen in Großbritannien bezahlt haben, haben der Branche einen Schock versetzt. Die Unternehmen reagieren unterschiedlich darauf. Zwei sind schon ausgestiegen.

Mobilcom-Chef Gerhard Schmid dagegen ist siegesbewusst. "Wir ersteigern in jedem Fall eine Lizenz", heißt es immer wieder aus Büdelsdorf - eine klare Kampfansage. Telekom-Vorstandsvorsitzender Ron Sommer hadert dagegen mit dem Regulierer, er will gleich Spielregeln und beklagt, dass andere ehemalige Monopolunternehmen in ihren Heimatländern eine Lizenz geschenkt bekommen, während die Telekom in Deutschland zahlen muss. Doch Sommer wird an den Regeln nichts mehr ändern können. Maximilian Ardelt, Chef der Viag Interkom, versucht es mit Beschwörung. Nicht viel mehr als zehn Milliarden Mark werde eine Lizenz in Deutschland kosten, glaubt er. Nach dem Fieber in England, sei es nun wieder Zeit zu rechnen.

Die Geschäfte, die die Telekommunikationsunternehmen in Zukunft über das Mobilfunknetz abwickeln wollen, die gibt es noch gar nicht. Die Dienstleistungen und Produkte müssen erst noch entwickelt werden. Bleibt die Frage, ob der Kunde sie tatsächlich brauchen wird und was er bereit ist, dafür auszugeben. Was eine Lizenz wert ist oder wert sein wird, kann heute niemand wirklich vorausberechnen.

Allerdings: Marktführer Mannesmann D2 und Telekom D1 können nicht auf eine Lizenz verzichten. Wollen sie in Deutschland führend bleiben, müssen sie ihren Kunden auch die neueste Technik anbieten. Selbst wenn noch weitere Mitbewerber aussteigen sollten: Diese beiden werden bis zum Ende durchhalten müssen.

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